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Fachkonferenz Frauen

Die Fachkonferenz will

  • Initiativen im Bereich Frauenarbeit (kfd, SKF, SOLWODI, Gleichstellungsstelle der Stadt Koblenz, Frauennotruf, Frauenorden ...) vernetzen
  • jährliche Veranstaltungen zum Tag der Gewalt gegen Frauen am 25. November durchführen
  • Projekt: Veranstaltung zum "Internationalen Tag der Frauen" am 8. März
  • Absprachen von Aktivitäten im Bereich "Frauenpastoral"

Kleider in Bewegung – Besuch einer bemerkenswerten Ausstellung in Frankfurt

Fünfzehn Frauen aus den Projekten des „Frauenzimmers“ und des Caritasverbandes Koblenz durften zur Ausstellung „Kleider in Bewegung“ im Historischen Museum der Stadt Frankfurt mitfahren; in Corona-Zeiten unterliegen die Museen strengen Besuchszahlen und Regelungen. Gezeigt werden noch bis Januar 2021 Frauenkleidungsstücke von 1850 bis heute; alle unter der Fragestellung, wie die zunehmende Bewegungsfreiheit und Frauenemanzipation die Kleidung beeinflusst und verändert hat. Kuratorin Dorothee Linnemann führte die Gruppe kenntnisreich und wies darauf hin, dass sich vor allem Stücke aus bürgerlichen Verhältnissen durch die Zeit gehalten haben. Kleidung der armen Bevölkerung findet sich kaum in den Archiven der Textilsammlungen. Enge geschnürte Korsetts, formende Unterbauten wie Reifröcke und Turnüren und dicke Unterkleiderschichten waren nicht nur hinderlich, wie man praktisch an einem Beispiel im Selbstversuch ausprobieren konnte. Sie wirkten auch gesundheitsschädlich auf Lunge und Wirbelsäule, so dass die Frage im Raum stand, warum Frauen sich das gefallen ließen. Die vorzeigbare, weil elegant gewandete Gattin diente der Darstellung der heilen Familienwelt, die für das entstehende Bürgertum im 19. Jhdt. große Bedeutung hatte. In ihre Kleidung wurde edles Material und Schnittfinesse investiert; Perlen, Schnüre, Spitzen und Stickereien verliehen dieser Garderobe ordentlich Gewicht. Daneben blieben die Männeranzüge dezent bis langweilig. Dienstmädchen waren damals in den gehobenen Haushalten üblich; Arbeit und größere Bewegungen wären den Hausherrinnen sowieso nicht möglich gewesen. Mit der Konfektionierung von Kleidung und der Entstehung von Textilkaufhäusern wurden Wäschestücke und Oberbekleidung auch für ärmere Frauen erschwinglich, die sich am bürgerlichen Frauenbild orientierten. Dieses Frauenbild löste sich durch die entstehende Industrialisierung allmählich auf: Mädchen und Frauen gingen in Fabriken arbeiten, wurden z.B. Telefonistinnen, fuhren Fahrrad, nutzten öffentliche Verkehrsmittel wie die Straßenbahn, gingen schwimmen oder zum Tennis und zum Tanz. Ganz allmählich stiegen auch ihre Bildungsmöglichkeiten bis hin zum Besuch von Universitäten. All das wirkte sich auf die Kleidung aus. Sie wurde entrümpelt und bewegungstauglich – zum Teil auch gegen den Widerstand von Frauen, die dem alten Ideal verhaftet bleiben wollten. Durch den Wegfall stützender Korsette und Unterkleiderschichten sahen die Frauen sich nun dem Druck ausgesetzt, nun selbst aktiv für einen wohlgeformten Körper sorgen zu müssen: Der Beginn von Gymnastik, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Schlankheitswahn, was bis heute andauert. Eine echte Befreiung kam mit der Zweiteilung von Kleidung. Statt opulenter, faltenreicher großer Roben trugen die Frauen nun Bluse und Rock. Varianten wurden möglich, was billiger war und das Waschen vereinfachte. Die ausgestellten Kleidungsstücke entstammen zum größten Teil der eigenen Textilsammlung des Museums der Stadt Frankfurt, die Ende des 19. Jhdts, ein Zentrum für Schneiderateliers und erste Konfektionswarenhäuser war. Der Tag bot einen interessanten Einblick in die deutsche Frauengeschichte und löste viele Gespräche in der kulturell bunt gemischten Besucherinnengruppe aus. Aus diesem Grund und weil die Teilnahmezahl begrenzt ist, wird ein weiterer Termin angeboten, der über das Dekanat Koblenz, die KEB und den Caritasverband veröffentlicht wird.

Jutta Lehnert, Pastoralreferentin 

Feministische Re-Lektüre - Die Bibel mit neuen Augen lesen

Ein Bibel-Lese-Kreis für Frauen

So wie ein textiler Stoff aus ganz verschiedenen Fäden gewebt ist, so wird auch ein literarischer Text von verschiedenen Erzählfäden durchzogen. In der Lektüre  biblischer Texte ist dabei im Laufe der patriarchalen Auslegungsgeschichte meistens der „weibliche Faden“ übersehen oder verdrängt worden – darum soll er in dieser Runde hervorgehoben werden.

Termine finden Sie im Kalender auf der Startseite

Leitung: Jutta Lehnert, Pastoralreferentin

  

Text und Textil

haben im Lateinischen die gleiche sprachliche Wurzel, was auf die Ähnlichkeit in ihrer Grundstruktur verweist:

So lässt sich ein Text als Gewebe aus unterschiedlichen Kett- und Musterfäden verstehen, wie es am Webstuhl entsteht. In der Antike war das die bevorzugte Art, Stoffe herzustellen:

Tragende Kettfäden wurden als Basis in den Webstuhl eingezogen und aufgerollt, die Schussfäden wurden mit dem Weberschiffchen eingewoben und dann mit dem Kamm gestaut. Das fertige Textilstück wurde einfach abgeschnitten und vernäht. Die Kettfäden wurden wieder neu gespannt; der Webvorgang konnte wieder beginnen. Mit Hilfe unterschiedlich gefärbter Schussfäden konnten feiner Muster im textilen Stück entstehen, die bestimmte Farben stärker oder schwächer hervortreten ließen.

Dieser Webvorgang lässt sich für die Analyse eines Textes anwenden:

Bestimmt Erzählfäden treten in den Vordergrund, andere klingen leise an, wieder andere sind nahezu unhörbar. Welche Erzählfäden die Handlungsstränge tragen, welches der „rote Faden“ ist, welche Muster sich verändern, welche Erzählfäden leicht übersehen werden - das herauszufinden ist die spannende Aufgabe der aufmerksamen Lektüre. Die gelingt am ehesten in einer Gruppe, in der unterschiedliche Hörgewohnheiten zusammenkommen.

Dem Text wird man am besten gerecht, wenn man wach bleibt für die Tatsache, dass jeder Text im Zusammenhang seines Kontextes steht oder Produkt seines Kontextes ist: Welche Stimme im Text besonders zu hören sein soll, welche Stimmen übertönt werden, welche Handlungsfäden sich im Muster verändern – das alles hat mit den Einstellungen und Entscheidungen zu tun, die der Autor/die Autorin/die Autorengruppe getroffen haben. Aus diesem Grund finden sich in der Bibel Texte, die im Widerspruch zueinander stehen: Texte sind eben auch Kampfplätze, an denen über die Deutung der Wahrnehmung gestritten wird. Uns Leserinnen und Leser ist aufgetragen, dem Streit nachzugehen und eine idealistische und individualistische Übernahme des Textes zu vermeiden.

So entsteht ein Stoff, der es bis heute in sich hat!