Impulse für die Wochentage

  • 07. April

    Achtung, Jesus kommt!

    Vielleicht war Jesus selbst davon überrascht, wie er an Palmsonntag in Jerusalem empfangen wurde. Und wenn ja, dann war er damit wohl sicher nicht alleine: auch die Pharisäer, die Hohepriester, die Regierung und die Sicherheitskräfte von Jerusalem waren wohl überrascht, von welchem Jubel begleitet, Jesus in Jerusalem einzog.

    Doch Jesus eilte ein Ruf voraus – er zog Menschen in seinen Bann. Er hatte Menschen geheilt, Tote auferweckt und verkündete in seiner Botschaft die Liebe Gottes. So setzten viele ihre Hoffnungen auf ihn und sahen in ihm den Messias, der das Reich des Königs David wieder errichten, die Besatzer aus dem Land jagen und dafür sorgen würde, dass das Gesetz des Mose wieder überall im Land zur Geltung komme. 

    Die Sorge der Regierung und der Sicherheitskräfte in Jerusalem vor Tumulten und Aufständen ist daher nicht allzu verwunderlich. Denn durch das bevorstehende Pascha-Fest, zu dem tausende Pilger aus dem ganzen Land nach Jerusalem und zum Tempel zogen, war die Lage bereits heikel genug. Der Friede zwischen den römischen Besatzern und der Stadtregierung war eh schon brüchig. Schon der kleinste Tropfen hätte das Fass zum überlaufen gebracht, damit die Römer mit brutaler Gewalt gegen jegliche Unruhen vorgingen. 

    Doch Jesu Absichten waren andere. Schon der Esel, auf dem Er in Jerusalem einzog, hätte es zeigen können. Er rief eben nicht zum Umsturz – zum Steuer-Boykott – auf und machte keine Anstalten gegen die römischen Besatzer, sondern ließ die Begeisterung um und für ihn verpuffen.

    Doch die Lage war angespannt. Täglich, ja stündlich hätte die Stimmung kippen und die Römer sich zum Eingreifen gezwungen fühlen können. Es musste also eine Lösung her: „Es ist besser, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht“ (vgl. Joh 11,50). Wie es weiter ging, wissen wir … Jesus wurde verhaftet, verurteilt und hingerichtet.

    In diesen Tagen stehen wir inmitten des „Hosianna!“ beim Einzug in Jerusalem an Palmsonntag und dem „Kreuzige ihn!“ des Karfreitags. Es ist schon erstaunlich, dass das Volk, welches ihm vor wenigen Tagen noch zujubelte, in wenigen Tagen seinen Tod fordern wird. Gut, die Regierung hatte nachgeholfen und bezahlte Schreihälse, um gegen ihn Stimmung zu machen. Aber es braucht scheinbar nicht viel, um eine große Menschenmenge in die richtige Richtung zu lenken. 

    Freud und Leid liegen in dieser Woche, der Karwoche, besonders dicht beisammen. So wie auch die Hauptakteure von Palmsonntag und Karfreitag besonders dicht beisammen sind: Jesus und das Volk – Er ist es, der vom Volk bejubelt wird und das Volk ist es auch, das seinen Tod am Kreuz fordert. Doch beide Male bleibt „das Volk“ seltsam anonym, nur eine gesichtslose Menge. 

    Und heute? Auch heute scheint es, als würden wir einer anonymen Menge unserer Gesellschaft begegnen, die Jesus ablehnen. Und künftig? Ja, künftig droht die Gefahr, dass auch jene Christen, die sich zu Christus bekennen und ihm zujubeln, in den immer größer werdenden pastoralen Räumen zu einem anonymen Volk untereinander werden. Doch bevor wir in solch eine denkbare Zukunft schauen, gilt es doch, bereits im Heute sich zu fragen, in welche der beiden Mengen Ich mein Gesicht setzen möchte. Freue ich mich über Ihn, sein Kommen und seine Gegenwart in meinem Leben, oder sind meine Hoffnungen und Erwartungen an Ihn bereits so enttäuscht wurden, dass ich Ihn ablehne und seinen Tod fordere? 

    Die Antwort dieser Frage hängt dabei stark vom je eigenen Bild ab, das ich von Jesus habe. Denn in meinem Bild von Jesus sind stets auch meine Wünsche und Sehnsüchte eingeschlossen. Mein Bild von Jesus ist ohne mich nicht denkbar. Es gibt kein neutrales Bild von Jesus. Doch wie sieht es aus? Bin ich noch offen für Veränderungen und Überraschungen meines Bildes von Jesus, oder glaube ich, bereits alles über Ihn zu wissen und Ihn – buchstäblich – schon festgenagelt zu haben? 

    Für die österlichen Tage wünsche ich Ihnen die Erfahrung einer Christusbegegnung, die Sie überraschen wird und Sie neu ermutigt, aus der anonymen Menge, ganz gleich aus welcher, herauszutreten und zu rufen: „Hosanna in der Höhe!“

    Jonas Staudt, Diakon

  • 06. April

    Liebe Mitmenschen,

    Im Tagesgebet der Heiligen Messe am Montag der Karwoche beten wir:
    „Allmächtiger Gott, in unserer Schwachheit versagen wir und sind anfällig für das Böse. Schau hin auf das Leiden deines Sohnes, richte uns wieder auf und schenke uns neues Leben. Darum bitten wird durch ihn, Jesus Christus deinen Sohn unseren Herrn und Gott der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit, Amen.“ 

    Liebe Mitmenschen,

    wer in diesen Tagen schwach ist, sich nicht an Regeln und Vorschriften im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hält, der wird anfällig für das Böse. 

    Darf dieser erste Satz des heutigen Tagesgebetes so gedeutet werden?  

    In Sachen des Glaubens kennen wir die Deutung all zugut. Wer die Gebote Gottes nicht hält und den Vorschriften und Weisungen der Kirche nicht folgt, der wird anfällig für das Böse. 

    Als Richtschnur der Christen in den tagesaktuellen Fragen unserer Zeit, ist uns das Lebenszeugnis Jesus Christus vor Augen gestellt. Im Blick auf den Leidensweg Christi, sollen Menschen Mut und Kraft gewinnen sich der Sündhaftigkeit des eigenen Lebens bewusst zu werden und sich den daraus resultierenden Versuchungen entgegenstellen. 

    Darum beten wir: Richte uns wieder auf und schenke uns neues Leben. 

    Schenke uns o Herr ein Leben, ein neues Leben, dass vor Dir bestehen kann und von tätiger Nächstenliebe durchdrungen ist. 

    Das heißt heute: Komm mir nicht zu nahe, Bleib auf Abstand, Geh mir aus dem Weg, bleib Zuhause.

    Roman Fries SAC

  • 04. April

    Karwoche: Die Botschaft vom solidarischen Gott

    Wir leben im Moment in einer Ausnahmesituation. Das Coronavirus hat unsere Gesellschaft fest im Griff und wirbelt unser aller Leben gehörig durcheinander. Nun gehen wir auf Ostern zu und die Karwoche liegt unmittelbar vor uns. Für viele Menschen ist es sicherlich besonders schmerzlich, dass wir uns auch an diesen zentralen christlichen Feiertagen nicht wie gewohnt zu Gottesdiensten versammeln können. Das hat es noch nie gegeben und ist dennoch in der konkreten Pandemie-Situation richtig und unvermeidlich. Doch sollte die zentrale Nachricht der Karwoche deshalb auch in diesem besonderen Jahr nicht untergehen: Die Botschaft vom solidarischen Gott. 

    Wir erinnern uns schließlich in der Karwoche der wohl dramatischsten Tage im Leben Jesu. Es beginnt mit dem Palmsonntag, dem Tag des feierlichen Einzugs in Jerusalem. Da haben die Menschen Jesus noch zugejubelt, ihn als Retter begrüßt. Doch bald schon schlug die Stimmung um. Von den Jubelrufen des Palmsonntags bis hin zum „Kreuzige ihn“ war es nur ein kurzer Weg. Selbst Jesu engste Freunde verleugneten ihn. So brachten die Menschen schließlich am Karfreitag den um, dem sie vor Kurzem noch begeistert zugejubelt hatten.

    Was Jesus hier im Zeitraffer widerfahren ist, das kennen wir oft auch aus unserem eigenen Leben. Vielleicht nicht ganz so dramatisch wie in den biblischen Erzählungen. Aber auch in unserem Leben gibt es die sonnigen Zeiten, in denen scheinbar alles glatt läuft. Wir sind anerkannt, haben viele Freunde, einen guten Job, Menschen die uns sagen wie toll wir sind. Und dann passiert irgendetwas, das die Koordinaten verschiebt: eine schwere Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, eine persönliche Notsituation, die uns den Menschen in unserer Umgebung entfremdet. Und plötzlich stehen wir allein da, „Freunde in der Not“ sind selten. Vielleicht wird sogar schlecht über uns geredet und wir werden angefeindet.

    Für mich ist da die Karwoche eine Art „Woche der Solidarität Gottes mit uns Menschen“. Als Christen glauben wir, dass Gott  selbst in Jesus all das Leid, das Menschen widerfahren kann bis hin zum Extremsten durchlebt und erlitten hat. Das kann uns neue Hoffnung und Kraft schenken, vielleicht gerade auch in diesen schwierigen Corona -Zeiten. Am Ende standen nämlich bei Jesus nicht Tod und Leid, sondern die Auferstehung. Wir sind immer wieder eingeladen zu glauben, dass das auch in unserem Leben so sein wird.

    Thomas Hüsch, Dechant

  • 03. April

    Die Normalität hat keinen Nachrichtenwert


    Oft hören wir in diesen Tagen die Frage: „Wann kehren wir endlich wieder zur Normalität zurück?“ Viele sind verunsichert, wie lange dieser Zustand des „Alles-ist-geschlossen“ und „Alles-ist-abgesagt“ noch anhält. Wie lange müssen wir uns noch mit diesem ungeplanten und nicht planbaren Tages- und Wochenablauf arrangieren? In einem Andenkenladen in Santiago de Compostela fand ich nach einer 14-tägigen Wanderung auf dem Jakobsweg die Spruchkarte „Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“ 
    Diese Tatsache anzunehmen, sich in Geduld mit allen Einschränkungen unserer Planbarkeit abzufinden, darauf zu hoffen, dass Plan B oder C auch möglich sein werden, darauf zu vertrauen, dass trotzdem alles gut ausgehen kann und alle Angst vor den ungewohnten Wegen letztlich unbegründet war, all das können wir in diesen Tagen der Zwangsisolation lernen. 

    Und dass es trotzdem ganz viel normales Leben und Alltägliches gibt, was diese Tage und Wochen der Ungewissheit durchzieht, auch diese Erfahrung könnte ein Geschenk sein. Vielleicht gelingt es uns, diese Krise auch als Chance zu sehen: als Chance, mit uns selbst Geduld zu haben, als Chance, einander anders zu begegnen als im Büro, in der Schule, in der Firma, bei Versammlungen, Sitzungen oder Gottesdiensten, als Chance, uns als Teil einer Weltkirche zu sehen, als Teil einer Weltgemeinschaft von Christen, Juden, Muslimen, Hinduisten, Buddhisten, …, die alle momentan gleichermaßen in ihren religiösen Alltagshandlungen eingeschränkt sind und dennoch Formen finden, ihren Glauben zu leben. 

    Auch wenn die Normalität keinen Nachrichtenwert hat, findet sie dennoch statt und will gewürdigt werden. Manchmal wachsen kleine Dinge im Verborgenen, denen wir im geschäftigen Getöse keine Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Vertrauen wir also darauf, dass auch Normalität und Alltag ihren Sinn haben und wir nicht ständig von einer Sensation zur nächsten, einem Event zum nächsten oder einer Schlagzeile zur nächsten hetzen müssen, sondern nun einfach die Gelegenheit haben, für die kleinen Freuden des Alltags dankbar zu sein: ein behagliches Zuhause, Menschen, mit denen wir uns verbunden wissen, Gesundheit, Nahrungsmittel und eine Umgebung, die momentan große Solidarität mit allen zeigt, denen es nicht so gut geht, die Hilfe benötigen und in den meisten Fällen auch erhalten.

    Alles kann gut werden, weil alles schon einmal gut war. Darauf vertraue ich und schaue ohne Angst in die Zukunft.

    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 02. April

    Glaubst du das?

    Glaubst du das? Eine Frage, die wir einander oft stellen. Wir möchten als Antwort Beweise, Tatsachen, damit wir glauben können. Ein biblischer Text erzählt uns, dass dieser Frage auch Martha begegnet. Denn nachdem Jesus ihr verheißt: „Dein Bruder, der tote Lazarus, wird auferstehen“, fragt er sie: „Glaubst du das?“. Ihre Antwort: Ja, Herr, ich glaube.

    In ihrer Antwort findet sich kein Bekenntnis, kein Glaubensdogma, das sie bekennt, keine Bitte um einen Beweis. In ihr drückt sich vielmehr großes Vertrauen aus, Vertrauen dem gegenüber, der ihr begegnet: Jesus Christus. 

    Für viele Menschen heute bedeutet „glauben“ das Kennen von Glaubenssätzen, Geboten, Bibelstellen, Dogmen. Aber „glauben“ heißt, „Ich vertrauen diesem Gott, den Jesus Christus verkündet hat. Ich vertraue ihm, dass er mein Leben trägt in den Höhen und Tiefen meines Lebens.“ So zeigen es viele Stellen der Bibel.

    Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat darum im Angesicht seiner ungerechten Hinrichtung eindrucksvoll gebetet:
    „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

    Angesichts unserer derzeitigen Situation der Corona-Krise mit vielen Ängsten und Sorgen könnte dieses Gebet wie ein Netz sein, das trägt.

    Helmut Kusche, Pfarrer i.R.

  • 01. April

    Eine Aufnahme aus der Bamberger Fußgängerzone, aufgenommen in meinem letzten Urlaub. Ich fand damals, dass dieses Bild sehr viel Aussagekraft hat. Über allem Konsum steht doch der eine, ohne den es letztlich nicht geht in dieser Welt. Er wurde Mensch, damit wir an seiner Gottheit teilhaben können. Seine Schöpfung lässt er nicht im Stich.

    Dass der Bildstock ausgerechnet über dem Schriftzug „New Yorker“ steht, hat mich im Blick auf die momentane Situation in dieser Weltstadt zu folgendem Gebet angeregt:

    Guter Gott,

    die Welt liegt in deiner Hand.

    Du hast sie erschaffen 

    durch dein Wort 

    und erlöst durch deinen Sohn.

    Durch ihn haben wir 

    das österliche Leben.

    Steh allen bei, 

    die mit dem Coronavirus kämpfen. Stärke die, die helfen wollen, 

    nimm die an die Hand, die leiden 

    und lass uns alle spüren, 

    dass du ein Freund des Lebens bist.

    Amen.


    Michael Frevel, Pfarrer

  • 31. März

    Morgen ist der 1. April. In normalen Zeiten würden viele von uns überlegen, wie sie Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen in den April schicken könnten. Ein kleiner Scherz, der andere kurz in Verwirrung bringt und dann durch ein „April, April“ aufgelöst wird.

    Heute steht vielen dafür verständlicherweise nicht der Sinn. Viele von uns sind in Sorge wie es weiter geht mit dem Virus, sind in Sorge wie es selber und mit den Familienangehörigen weitergeht, sind in Sorge um ihren Arbeitsplatz. Darüber hinaus sind wir weiter aufgefordert, räumliche Distanz zueinander zu halten. Um so wichtiger ist es miteinander telefonisch oder mit andern technischen Hilfsmitteln Kontakt zu halten und uns gegenseitig Mut zu machen.

    Dazu gehört auch ein Lachen oder dem anderen zuzulächeln. Vielleicht eine Möglichkeit, morgen den 1. April miteinander zu gestalten. Im Lukas Evangelium heißt es dazu „Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“. Geben wir uns also morgen durch ein gegenseitiges Lächeln Mut und hoffen auf ein baldiges Ende der Corona Krise. 

    Herbert Lucas, Pfarrer

  • 30. März

    Unser kirchliches Leben ist zur Zeit über weite Strecken lahmgelegt. Gottesdienste, Veranstaltungen und Aktionen sind abgesagt. Darunter fallen für mich zum Beispiel auch solche, die mit der Misereor-Fastenaktion in Verbindung stehen; zum Beispiel eine Solidaritätsbrot-Backaktion mit Kommunionkindern, Solidaritätsessen in Gemeinden, das gemeinsame Beten des Misereor-Kreuzweges mit Frauen der kfds oder mit Familien.

    „Gib Frieden“ so lautet das Leitwort der diesjährigen Misereor-Fastenaktion und lenkt den Blick auf Syrien und die umliegenden Länder.

    Im Gebet können sich Menschen verbinden, indem sie die Kreuzwegandachten übers Internet herunterladen und sie zuhause beten. Mancherorts werden dafür sogar bestimmte Zeiten verabredet.

    Darüber hinaus ist die finanzielle Unterstützung der Projekte in Syrien und den umliegenden Ländern dringend notwendig, weil sie einen wichtigen Beitrag leisten, ein friedliches Miteinander aufzubauen.

    Wir alle spüren in der Corona-Krise, wie wichtig und hoffnungsstiftend solidarisches Handeln ist. Möge unsere Solidarität  auch den Menschen in den rund 3300 Projekten in rund 95 Ländern gelten, die vom Hilfswerk Misereor unterstützt werden. Dann kann für Menschen ganz konkret erfahrbar werden, was der Titel der Kreuzwegandacht verheißt: „Uns grünt deine Hoffnung“.

    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 28. März

    Liebe Mitmenschen,

    es könnte alles so schön sein, wäre da nicht ...

    Die zurückliegende Woche war wettermäßig der Auftakt zu dem was wir heute feiern, den Beginn der Sommerzeit. Bisweilen trügerisch kam mir diese Woche vor. Die Sonne lachte vom Himmel trotz klirrender Kälte. Kurzweilige Begegnungen mit der Natur bestimmten für mich die vergangenen Tage am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. 

    Die Geschäfte sind geschlossen und wenige Menschen sehe ich auf meinen abendlichen Autofahrten von der Arbeitsstelle nach Hause. Wir haben als Gesellschaft als Kirche zurückgeschaltet in den ersten Gang. Viele verunsichert das, mich auch. Es hat so etwas von Wartemodus auf etwas, dass hoffentlich niemals eintritt. 

    Mir kommen Bilder in den Sinn. Bilder der Nachrichten aus Italien und Spanien.  Ich wische sie weg, will nicht daran denken und schalte das Radio an um mich abzulenken.


    Liebe Mitmenschen,

    wir feiern heute den Beginn der Sommerzeit und als Kirche „Mariensamstag“. Seit dem 9. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher ist der Samstag als der letzte Tag der Woche Maria geweiht.  Von Ostern her betrachtet sind Karfreitag und Karsamstag Tage des Todes und der Trauer. 

    So denke ich heute, trotz mancher hoffnungsvoller Zeichen in der Natur auch an Karsamstag. Ich denke an den Kreuzestod Jesu den wir als Christen aus unseren Kirchen und Kapellen heraus per Livestream begehen werden. In beängstigend vergleichbarer Weise ereilt in unseren Tagen vielen Menschen unschuldig der Tod. Wer steht ihnen bei? Wer kümmert sich um sie?


    Liebe Mitmenschen,

    es waren Maria und Johannes die unter dem Kreuz Jesu ausharrten, die Dabei blieben. Ist das nicht ein guter Vorsatz auch für uns in diesen Tagen? 

    dabeibleiben, aushalten, wachsam sein und im Gebet verbunden. 

    Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und die Gewissheit verbunden zu sein mit Maria zu der wir beten: Maria bitte für uns jetzt und an allen Tagen unseres Lebens. Amen 

    Roman Fries, Pfarrer

  • 27. März

    Soviel du brauchst ...

    Für diese Fastenzeit hatte ich mir eine kleine Lektüre vorgenommen. Das Büchlein „Soviel du brauchst“ von Susanne Niemeyer liegt auf meinem Schreibtisch. Es geht um sieben Dinge, die wir wirklich brauche: Freiheit, Heimat, Freunde, Liebe, Arbeit, Gerechtigkeit und Vertrauen. Dass wir in dieser besonderen Fastenzeit mit allen, teilweise sehr schmerzhaften Einschränkungen, die uns zu Recht auferlegt worden sind, uns gerade darauf besinnen müssen, hätten wir vor einigen Wochen nicht gedacht. In unserer Kirche nennen wir die Wochen vor Ostern auch „Vierzigtagezeit“. In dieser Krisensituation wurde mir bewusst, dass der Begriff „Quarantäne“ im Ursprung eine vierzigtägige Isolierung meint. Quadraginta (lateinisch) heißt 40; quarantaine de jours (französisch) meint 40 Tage. So stehen wir alle irgendwie in einer Quarantäne, eine Zeit, die wir nur gemeinsam auf Abstand bestehen können. Wie bei einer Vollbremsung ist unser sonst so aktives Leben fast zum Stillstand gekommen. Eine Rolle Klopapier ist zu einem Symbol dieser gesellschaftlichen Quarantäne geworden. Vielleicht der Wunsch, doch nach was in der Hand zu haben. Ein Symbol für das, was wir wirklich brauchen? Darauf sollten wir nicht unsere Gemeinschaft reduzieren. Ich erkenne in diesen Tagen immer mehr die Siebensachen, die wir wirklich brauchen: die Freiheit, auch wenn sie eingeschränkt ist, das zu tun, was mir Freude macht; einen Ort zu haben, an dem ich daheim bin, Heimat; Freundinnen und Freunde mit denen ich telefonieren kann so oft und so lange ich möchte; die Liebe, die uns geschenkt ist und die wir einander schenken in kleinen Zeichen; die Arbeit, bei der sich viele in dieser Zeit aufopfern für ihre Mitmenschen; die Gerechtigkeit, die den Menschen gegeben werden muss, die jetzt oder später die Folgen dieser Pandemie zu tragen haben und letztlich das Vertrauen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre fundierten Erkenntnisse so weitergeben, dass die Politik dadurch die richtigen Entscheidungen trifft. Wenn wir so unsere Siebensachen packen sind wir auch in dieser Zeit auf einem guten Weg. 

    Ralf Staymann, Pfarrer
     

  • 26. März

    „schweigen und meditieren“

    Indem ich in andächtiger Stille, meditativ, ganz bewusst auf Worte und Handlungen verzichte, ahne ich (manchmal) etwas von der Größe und Weite Gottes, die alle menschlichen Begrifflichkeiten übersteigt. Ich spüre etwas von der wohltuenden Freiheit, Gott nicht mit Adjektiven festschreiben zu müssen. Das verbindet mich „unsagbar“.

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 25. März

    Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. (Lk 1,26)

    Ein Bote Gottes! Was soll ein einfaches Mädchen in Israel angesichts dieser Ehre tun?  Kein Wunder, dass diese Szene in der Kunst meist so dargestellt wird, das Maria in Frömmigkeit erstarrt dieses Ereignis an sich geschehen lässt. Was soll ein kleiner Mensch sonst tun?

    Ganz anders und mir sehr viel sympathischer sind zwei Statuen, auf die ich vor einigen Jahren in Nazareth stieß. Seitdem besuche ich immer, wenn ich dort bin, diese Figuren. 

    Maria und Gabriel scheinen einen Spaziergang zu machen. 

    Maria hat die Hände vor der Brust gekreuzt. Ihre rechte Hand liegt auf ihrem Herzen, die Linke quer über der Brust, so, als wolle sie die andere fixieren. Wenn ich diese Pose nachahme, dann merke ich, dass sie mir das Gefühl vermittelt, ganz bei mir zu sein.

    Gabriel steht neben Maria. Ganz schlicht. Wären das nicht die angedeuteten Flügel, man würde ihn nicht in göttliche Sphären einordnen. Seine rechte Seite ist Maria zugewandt, sein linker Arm zeigt gen Himmel. Er stellt die Verbindung zwischen Gott und Mensch her.

    Gabriel und Maria schauen einander in die Augen. Zwei, die miteinander unterwegs sind. Die Frage: Wie soll das geschehen…? (Lk 1,34a) ist Maria ins Gesicht geschrieben. Sie sucht nach Spuren Gottes in ihrem Leben.

    Das Gesicht Gabriels wirkt mehr erklärend, erläuternd als verkündigend. Er begleitet Maria, nimmt ihre Fragen auf und gibt Hinweise auf das Wirken Gottes. Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. (Lk 1,35a) Und die Antwort wird im Gehen kommen.

    Wenn wir heute das Fest der Verkündigung des Herrn feiern, dann tun wir das in einer besonderen Zeit. Gerade sind die Osterfeierlichkeiten abgesagt. Alle sind mehr oder weniger isoliert für sich. Und wir legen mit diesem Fest den ersten Stein auf den Weg zu Weihnachten hin. Vieles geht mir in diesen Tagen durch den Kopf. Wie geht es weiter im Kampf gegen das Corona-Virus. Was kommt als nächstes? Wird all dies helfen, irgendwann einmal wieder „normal“ leben zu können?

    Da hilft mir dieses Bild. Es lädt mich ein, genau wie Maria mit Gott ins Gespräch zu kommen. Meinen Weg mit ihm zu teilen. Mit allem, was mir begegnet: Angst. Hoffnung, Freude. Und darauf zu hoffen, dass er mir, wie Gabriel das bei Maria tat, Fingerzeige Gottes schenkt, die mir helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

    Dazu lade ich auch Sie ein am heutigen Fest. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Wegbegleitung erfahren. Und dass Sie gesund bleiben. Und Ihre Familien, Nachbarn und Freunde auch!

    Michael Frevel, Pfarrer 

  • 24. März

    „Störungen haben Vorrang"

    Es gibt eine hilfreiche Regel für den Umgang mit Gruppen und Teams, die besagt: „Störungen haben Vorrang“. Natürlich wird niemand von uns gerne gestört. Und zurzeit wünschen wir uns händeringend wieder mehr Normalität, als dauernd weitere "Störungen". Aber manchmal sind es genau die unvorhergesehenen Unterbrechungen mitten im Alltag, die mir die Augen öffnen, mich zum Umdenken auffordern und mich sensibel machen für das, was wirklich wichtig ist.

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 23. März

    in zeiten der quarantäne

    das leben klingt herüber

    ich bin ihm auf der spur

    lebendigkeit und freiheit

    das leben klingt herüber

    lädt mich ein

    zu sein

    das leben klingt herüber

    ich bin ihm auf der spur

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 21. März

    So viel „Fastenzeit“ gab’s lange nicht

    Es ist lange her, da galt für praktizierende Katholiken die Fastenzeit, also die Zeit der 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern, als eine „geschlossene Zeit“! Feierliche Hochzeiten, Feste, Tanzveranstaltungen und andere öffentliche Vergnügungen, waren untersagt. Es sollte eine Zeit der Unterbrechung sein, um nachzuspüren, was wichtig ist für das Leben und für den Glauben und was überflüssig ist oder vom Wesentlichen nur ablenkt. 
    Dazu kam der Verzicht auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten, als praktizierte Solidarität mit Menschen in Armut und als konkrete Nachfolge Christi auf seinem Weg zum Kreuz, die sich dann auch in einem finanziellen Opfer, für die Menschen in Not, zeigen sollte.
    Lange davor hatte die Bibel im 24. Psalm erklärt, Gott belohne denjenigen, der reine Hände hat und ein lauteres Herz. Und im Matthäus-Evangelium ermuntert Jesus, Fastenzeiten positiv zu gestalten: "Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler", heißt es dort. "Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht." 

    In neuerer Zeit wurden dann, von wachsamen Menschen, neue Trends entwickelt: Heilfasten für die Gesundheit, Auto- und Plastik-Fasten für die Umwelt, Fernseh- und Handy-Fasten für eine menschlichere Kommunikation. 

    In diesem Jahr aber, führt die vom Corona-Virus - Covid-19 – ausgelöste Pandemie, zu einer so weitreichenden Fastenzeit, dass ich mir staunend die Augen reibe. 
    Die inzwischen von vielen Regierungen verfügten Vorschriften verordnen nicht nur umfangreiche Hygienemaßnahmen und „geschlossene Zeiten“, vielmehr geschlossene Buchmessen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen, Gottesdienste, Bars und Diskotheken, ja sogar abgeriegelte Regionen und ganze Staaten. Covid-19 führt vom Konzertfasten, über das Fußballfasten, bis zum Reisefasten.

    Da ruft mir jemand, – natürlich mit gebührendem Abstand -, im Parkhaus zu: wissen sie, wofür das alles gut ist? Wir entschleunigen so wohltuend!
    Und ich ergänze still für mich, dass ich beginne, wieder zu unterscheiden, zwischen dem, was wirklich wesentlich ist und andererseits oft ziemlich unnützer Ballast, dass ich anfange zu spüren, was die Solidarität mit Armen fordert und mit denen, die jetzt Hilfe brauchen und dass ich entdecke, wie sinnvoll religiöses Brauchtum gewesen ist, das nicht selten hochmütig belächelt wurde.

    Stephan Wolff, Pfarrer