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Impuls für die Woche

09. April

Osterzeit in der Pandemie

Ostern ist kein billiger Mutmacher. Der Auferstandene bleibt von seinen Wunden gezeichnet. Er mutet den Blick auf die Wirklichkeit zu – aktuell auf die Pandemie. Der Schrei nach ‚Lockerungen‘ hat die Wirklichkeit ignoriert. Einzelne Branchen forderten Lockerungen – jede ‚für sich‘ und ohne Rücksicht auf die Gesamtlage und schon gar nicht auf die Kranken und Sterbenden. Statt der Pandemie wurden die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung zum entscheidenden Problem stilisiert. Entgegen den inzwischen einhelligen Warnungen aus der Wissenschaft setz(t)en MinisterpräsidentInnen auf Lockerungen und bogen sich die Wirklichkeit zurecht: Der Inzidenzwert wurde zur Disposition gestellt, Infektionsgefahren im Erziehungs- und Bildungsbereich geleugnet, die sich zuspitzende Lage in den Krankenhäusern ignoriert. Öffnungen wurden mit Tests begründet, die noch nicht zur Verfügung standen. Als die Öffnungsstrategien mittels Tests auf Kritik stießen, hieß es, es gehe ja darum, die Ausbreitung des Virus zu erkennen: ‚Freie Fahrt‘ dem Virus als Strategie im Kampf gegen seine Ausbreitung?!

Die Kanzlerin blieb einsame ‚Ruferin in der Wüste‘. Ihr und einer Mehrheit der Bevölkerung ist klar: An Kontaktbeschränkungen führt kein Weg vorbei. Sie müssen allerdings auch in der Arbeitswelt durchgesetzt werden. Erst wenn ein harter Lockdown greift, lässt sich mit Hilfe von Tests und Impfungen ‚lernen, mit dem Virus zu leben‘. Von Ostern zu lernen wäre, dass ein solcher Weg nur solidarisch zu bewältigen ist. Ihn kann nicht ‚jeder für sich‘ gehen, ohne dass dies zum ‚Kampf aller gegen alle‘ wird. ‚Jeder für sich‘ ist kapitalistische Logik und Zwang in einem. Ostern aber steht für die Auferweckung eines Gekreuzigten, der gegen die Zwänge tödlicher Herrschaft dadurch aufgestanden ist, dass er ihnen seine Solidarität mit deren Opfern entgegen gestellt hat.

Herbert Böttcher, Pastoralreferent i.R.

04. April

Tschö und Tschüss und Gott befohlen

Wer, wie ich gerade, anfängt Koffer zu packen und Umzugskiste zu stapeln, weil die Dienstzeit - in meinem Falle als Pfarrer in den katholischen Innenstadtpfarreien und im Dekanat Koblenz - zu Ende geht und ein Umzug ansteht, der macht sich Gedanken, wie er (oder sie) sich richtig verabschiedet.

Die Fragestellung ist umso schwieriger, je strenger die Corona-geschuldeten Einschränkungen für Zusammenkünfte und Begegnungen sind und damit nicht einmal ein Händedruck oder eine Umarmung möglich ist. Es bleiben scheinbar dürre Worte, die allerdings - bei näherer Betrachtung – überraschenden „Tiefgang“ haben.

Während der Abschiedsgruß in Bayern und weiteren südlichen Gefilden „Pfiat di“ oder „Auf Wiederschauen“, in Schwaben „Adele“ und der Schweiz „Auf Wiederluege“ lautet, heißt er nördlich der Main-Linie nicht selten einfach „Tschö“ oder „Tschüss“.

Überraschend ist, dass beide letztgenannten Abschiedsworte ihren Ursprung im französischen „Adieu“ haben, welches seinerseits wiederum mit dem spanischen „Adios“ und letztlich mit dem lateinischen „ad deum“ verwandt ist. Alle diese Abschiedsformeln sind am ehesten ins Deutsche zu übersetzen mit „Gott befohlen“.

Jüngerinnen und Jünger Jesu entdeckten nicht nur dieses Wort, sondern die Haltung die hinter dem Wort „Gott befohlen“ steht, in der Passion Jesu. Während die Evangelisten Matthäus und Markus vor Jesu Tod am Kreuz die Worte von der Gott-verlassenheit („mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“) überliefern, heißt es im Lukasevangelium „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Lk 23,46)

Gemeinsam bezeugen die Evangelisten dann allerdings, dass die Haltung „ad deum“- Gott befohlen - nicht enttäuscht wurde, sondern an Ostern, in der Auferstehung ihre Bestätigung erfahren hat. Hier zeigte sich, bei Gott nicht verlassen, sondern aufgehoben und Daheim zu sein.

Ein frühchristlicher Brief aus dem 3. Jdt., dessen Verfassernamen wir nicht kennen, aber von dessen Adressaten wir wissen, dass er Diognet hieß, hat beschriebene Haltung als das Erkennungszeichen eines Christenmenschen geschildert, indem er schrieb: „Die Christen in der Welt sind Menschen wie die übrigen: sie unterscheiden sich von den anderen nicht nach Land, Sprache oder Gebräuchen. (…) Wie sie jedoch zu ihrem Leben als solchem stehen und es gestalten, darin zeigen sie eine erstaunliche und, wie alle zugeben, unglaubliche Besonderheit. Sie wohnen zwar in ihrer Heimat, aber wie Zugereiste aus einem fremden Land. (…) Jede Fremde ist ihnen Heimat und jede Heimat Fremde. (…) sie weilen auf der Erde, aber ihre Heimat haben sie im Himmel!“

So versuche auch ich meine befristete Koblenzer Heimat mit einem „Tschüss“ „Adieu“ und „Gott befohlen“ zu verlassen, in der Hoffnung, eine beständige Heimat bei Gott zu behalten.

Stephan Wolff, Pfarrer