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Impuls für die Woche

19.09.21

Auszeit

„Ich brauche eine Auszeit“. Diesen Satz habe ich in den letzten Wochen oft gehört. Nach Lock down, Homeoffice, unendlichen Video-Konferenzen, Homeschooling, Kontaktbeschränkungen und den vielen Corona-Verordnungen sind viele Menschen erschöpft, wollen raus, Urlaub machen, zurück zur Normalität, brauchen eine Pause, wünschen sich eine Auszeit. Uns allen tut – hin und wieder –eine Auszeit gut. Doch was ist eine Auszeit?

Auszeit oder englisch Time-out ist ein Begriff aus dem Sport und bedeutet eine Unterbrechung des Spiels, die von einer Mannschaft in Anspruch genommen werden kann. Für die meisten Menschen bedeutet eine Auszeit vor allem eins: Erholung pur, neue Kraft zu tanken und die Energiereserven wieder aufzufüllen. Wenn sich der Frust an allen Fronten bemerkbar macht und einfach nicht mehr verschwinden will, ist das ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass eine Auszeitvom Alltag oder dem Einerlei benötigt wird. Eine Auszeit kann anschließend für ganz neue Motivation sorgen.

Eine Auszeit kann unterschiedlich lang sein. Manche brauchen ein Sabbatjahr, gehen in ein Kloster auf Zeit, anderen langen vier Wochen Urlaub, wieder andere benötigen tägliche Auszeiten. Diese Auszeiten im Alltag sorgen für mehr Wohlbefinden. Regelmäßige Auszeiten im Alltag helfen, laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, effektiver zu arbeiten und stressfreier zu leben.

Eines aber möchte ich Ihnen ans Herz legen. Eine Auszeit von der Rücksichtnahme und Solidarität in diesen Tagen der immer noch bestehenden Corona-Pandemie gibt es nicht. Rücksichtnahme und Solidarität sind zutiefst Haltungen, die uns als Menschen auszeichnen

Eine tägliche kurze Auszeit kann ein Sparziergang, allein oder zu zweit sein, eine Kaffee- oder Mittagspause mit der Freund:in, oder eine Auszeit ist eine Zeit, in denen Ihr Mobiltelefon ausgeschaltet ist, ausgeschaltet zum Abschalten sozusagen. Oder Sie nehmen sich zehn Minuten für Gott. Legen Sie eine Auszeit in seinem Haus ein. Seine Türen stehen allen offen. So können Sie für eine Zeit dem Alltag entfliehen, die Ruhe und Stille dort genießen. Vielleicht ist ein stilles Gebet oder ein Lied– genau das Richtige für Sie? Oder wenn Sie mögen, zünden Sie eine Kerze für einen Menschen an, dem es zurzeit nicht so gut geht.

Vielleicht ist eine Auszeit auch eine Zeitspanne, in der Sie einfach weniger oder gar nichts tun. Lassen Sie Ihren Körper ausruhen. Spüren Sie Ihren Gedanken nach und lassen Sie Ihr Herz weit und groß werden. Wer lieber draußen ist, kann sich auf eine Wiese legen oder setzt sich auf eine Bank! Betrachten Sie die Schöpfung, genießen Sie die Geräusche um Sie herum. Beobachten Sie die Wolken, die am Himmel vorüberziehen. Schauen Sie Löcher in den Himmel! Das erweitert den Horizont, versprochen! Kostenlose Wellness für die Seele sozusagen. Oder einfach nur eine Auszeit!

Margret Sundermann, Pädagogische Referentin

10.09.21

Aushänge-Schild

Man sieht sie nun überall: Wahl-Plakate mit mehr oder minder großen Wahlversprechen der jeweiligen Aushängeschilder der Parteien. Ob sie tatsächlich halten werden, womit sie die Wähler gewinnen wollen, das Kreuzchen hinter ihren Namen zu setzen?
Aber das ist ja nicht nur in der Politik die große Frage, sondern gilt auch für kirchliche Institutionen und Personen, ja, für jeden von uns persönlich: Legen wir allzuoft nicht Dinge ins Schaufenster unseres Lebens, die wir in Wirklichkeit gar nicht besitzen? Ist in unserem Leben nicht vieles mehr Schein als Sein?
Von dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard wird folgendes Erlebnis erzählt. Als Student war er in Kopenhagen mit einem Korb Schmutzwäsche unterwegs auf der Suche nach einer Wäscherei. Endlich stieß er in einer Seitengasse auf ein Geschäft, in dessen Schaufenster ein Schild stand: "Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt." Kierkegaard trat ein und stellte seinen Korb auf die Theke, als zu seiner Überraschung die ihn bedienende Angestellte lächelnd sagte: "Mein Herr, Sie irren sich." "Aber wieso", stammelte Kierkegaard: "hier steht doch: 'Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt'!" "Da haben Sie recht", sagte das Mädchen; "Auf dem Schild steht: 'Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt.' Aber Sie sind nicht in einer Wäscherei. Sie sind in einer Fabrik für Schilder. Hier werden nur Schilder hergestellt, auf denen steht: 'Hier wird Wäsche gewaschen und gebügelt.'

Als Kirchen und Gemeinden müssen wir uns fragen lassen, ob das, was wir verkünden und gewissermaßen ins Schaufenster legen, auch bei uns zu finden ist. Dazu braucht es Mut, Leute hinter die Kulissen schauen zu lassen, inwiefern Christen wirklich authentisch sind und eine im wahrsten Sinne des Wortes glaub-würdige und damit einladende Botschaft vertreten.
Jesus hatte diesen Mut: als Menschen ihm als Jünger nachfolgen wollten, lud er sie zunächst ein, genau hinzuschauen: „Kommt und seht …“ (Neues Testament; Johannes 1,39). Die ersten Nachfolger von Jesus hat das, was sie sahen und erlebten, überzeugt – und sie lösten mit ihrer Einladung an andere (Komm und sieh) eine Kettenreaktion des Glaubens aus, die bis heute andauert.
Lassen doch auch Sie sich einladen, genau hinzuschauen: nicht nur hinter die Kulissen von Kirchen und Gemeinden, sondern direkt und unmittelbar bei Gott selbst. Er hat seinen Sohn Jesus gewissermaßen ins Schaufenster der Welt gestellt – und wir sind eingeladen, nachzuforschen, ob Gott auch hält, was er uns mit Jesus versprochen hat. Dann lohnt es sich, ihn zu wählen und ihm zu vertrauen!

Werner Süs, Pastor