Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls für die Woche

25.09.20

„Damit es aufhört!“

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen. 

Die Taten sind jedoch schwer nachzuweisen, weil sie im Verborgenen stattfinden. Aufgrund der Abhängigkeitsverhältnisse, der gezielten Manipulationen durch die Täter*innen und aufgrund eigener Schamgefühle ist es für Betroffene meist schwer, sich zu äußern. Manchmal gelingt dies erst Jahre oder Jahrzehnte später. 

Und wenn Betroffene sich zu Wort melden, wird ihnen oftmals nicht geglaubt - „weil nicht sein kann, was nicht sein darf!“. Oder die Taten werden bagatellisiert. Oder den Betroffenen wird selbst die Schuld an der Situation gegeben. 

Häufig erschien es in der Vergangenheit wichtiger, den Ruf der Täter*innen und das Ansehen der Institutionen zu schützen, statt den Betroffenen zu helfen und weitere Opfer zu vermeiden. Zu dieser Erkenntnis kam auch die Forschungs-Studie im Jahr 2018, die von der Deutschen Bischofskonferenz zur Aufklärung des Missbrauch-Skandals innerhalb der Katholischen Kirche in Auftrag gegeben wurde. 

Um für dieses immer noch aktuelle Thema zu „sensibilisieren statt wegzuschauen“, wurde vor einer Woche in der Citykirche am Jesuitenplatz eine Skulptur aufgestellt - eine überdimensional große, kopflose Figur, mit übergriffig großen Händen. Diese Skulptur lädt die Betrachtenden dazu ein, sich aus verschiedenen Perspektiven zu fragen (als Opfer, als Mitwissende, als Eltern …), was er/sie angesichts eines selbst erlebten oder eines berichteten Missbrauchs braucht oder gebraucht hätte.    

Das Fazit von Matthias Katsch (von der Betroffenen-Initiative des sogenannten „Eckigen Tisches“) bei der Eröffnungsveranstaltung in der Citykirche lautete: Es gibt noch viel zu tun - politisch, gesellschaftlich und innerhalb der Kirchen. Damit Kinder und Jugendliche besser geschützt werden. Damit Täter*innen kein leichtes Spiel mehr haben. Damit Missbrauchstaten angezeigt werden und Opfer Gerechtigkeit erfahren. Kurz: „Damit es aufhört!“.  


Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

Hinweis: Die Skulptur ist noch bis Donnerstag, den 8. Oktober 2020 täglich zwischen 9:30 und 17:00 Uhr in der Citykirche zu sehen. Nähere Informationen unter 0151 / 538 312 44 

20.09.20

Leben in Fülle – mehr als ein Werbeslogan

Die Werbung kann alles, verspricht alles und weiß alles. Da wird einem das Glück zugesagt. Der Weg wird freigemacht. Tausend Träume werden wahr. Und so manches Produkt ist teuflisch gut und himmlisch verführerisch.

Kurzum – alles wird erreicht.

Der erfolgreiche, dynamische und vitale Mensch steht im Vordergrund. Träume und Illusionen werden durch die Werbung ermöglicht!

Werbung täuscht Wirklichkeiten vor. Die Sonnenseiten des Lebens treten in den Vordergrund.

Schattenseiten kennt die Werbung nicht! Wieso auch? Werbung soll dazu animieren, ein Produkt zu kaufen und damit auch Glück, Lebensglück.

Dabei weiß jeder, dass es nicht so ist. Wer im Schatten lebt, kommt in der Werbung nicht vor.

Der Arbeitslose, der mittlerweile auf Hartz IV angewiesen ist! Der Krebskranke, der Tag und Nacht Schmerzen ertragen muss! Der Behinderte, der sein Leben im Rollstuhl verbringt!

Die Bibel ist kein Hochglanzwerbeprospekt und nicht nach modernen Gesichtspunkten gestylt und getextet. Trotzdem macht die Bibel Werbung. Und ihre ersten Adressaten sind nicht die Erfolgreichen, Dynamischen und Gutaussehenden, sondern die Gebrechlichen, die Entstellten, die Bedrängten und die Verzweifelten.

Also die, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Dabei ist die biblische Werbeverkaufsstrategie nicht auf ein momentanes Glücksgefühl hin ausgerichtet, sondern auf Zuwendung, Solidarität, Offenheit und Vertrauen. Jesus meint es ernst mit dem ganzen Menschen -und mit all seinen Fehlern, Ängsten und Unzulänglichkeiten.

Deshalb lauten seine Werbeslogans anders: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ „Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.“ Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.“

Das ist Werbung, wie sie Jesus von Nazareth versteht, sie wird auch „Frohe Botschaft“ genannt.

Doch der Erfolg der Frohen Botschaft lässt sich nicht in Verkaufszahlen oder gestiegenen Aktien messen. Es dauert oft viel länger, bis er sich einstellt. Aber da wo sich Menschen weltweit für andere einsetzen, weil sie an diese biblische Botschaft glauben, sind sie selbst die besten Werbeträger für die frohe und heilende Botschaft des Jesus von Nazareth, der sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben!“ 

Alois Wehrhausen, Gemeindereferent