Impulse für die Wochentage

  • 30. Mai

    world-wide-web

    ein netz

    welt weit gewebt

    nicht um uns darin zu verlieren

    sondern uns zu verbinden

    in unserer Verletzlichkeit

    vernetzlich

    geistvoll und

    mit Engelszungen

    entflammbar und doch feuerfest

    tasten wir nach Nähe

    und bewegen uns

    behutsam

    aufeinander zu

    wahren wir

    wo nötig immer noch

    den Abstand mit Anstand

    voller Würde und mit Empathie

    solidarisch verbunden

    im Zeichen des Regenbogens

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin Citykirche Koblenz

  • 29. Mai

    Da wurde Petrus traurig

    Joh 21,1.15-19

    Dreimal fragt Jesus den Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Als die Frage zum dritten Mal gestellt wird, sagt der Text: „Da wurde Petrus traurig …“ Ich kann das nachvollziehen. So lange waren sie miteinander unterwegs, durch dick und dünn, und dann das.

    Andererseits hatte Petrus aber auch seinen Wankelmut bewiesen – etwa im Hof des Hohepriesters, bevor der Hahn zum dritten Mal krähte. Und das hatte wohl nicht Jesus in Erinnerung, sondern auch Petrus. Deshalb wohl auch die Traurigkeit. Es heißt ja nicht: Er wurde ärgerlich. Das wäre angesichts der dreimaligen Frage eine verständliche Reaktion gewesen. Nein – Petrus wurde traurig. Er war sich wohl bewusst, wie schwer die bedingungslose Nachfolge Jesu sein und wohin sie führen kann. Und er war sich auch bewusst, dass ihm diese Nachfolge nicht leichtfallen würde. Aber er war auch entschlossen, dieses Wagnis einzugehen. Vielleicht auch im Vertrauen auf den Beistand, den Jesus ihnen versprochen hat. Und so antwortet er auch zum dritten Mal: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Und Jesus vertraut ihm: „Weide meine Schafe!“

    Auch ich muss mich von Jesus immer wieder fragen lassen: Liebst du mich? Und manches Mal kommt auch bei mir die Traurigkeit hoch, wenn ich erkenne, dass ich es wieder einmal an Liebe zu Gott und den Menschen habe fehlen lassen. Und doch, auch ich vertraue wie Petrus, dass da eine Kraft in mir wohnt, die Gott selbst in mir eingepflanzt hat. Eins Kraft, die mich immer wieder singen lässt: „Atme in mir, Heiliger Geist, brenne in mir, Heiliger Geist, wirke in mir, Heiliger Geist. Atem Gottes, komm!“ (GL346)

    Pfr. Michael Frevel

  • 28. Mai

    Eigentlich wäre heute,

    Donnerstag vor Pfingsten, der Rüsttag für die Pfingstwanderung 2020 mit Bibel und Rucksack, diesmal in der Eifel. Ich wäre zum 15. Mal dabei gewesen in einer Gruppe von ca. 20 Teilnehmern, von denen manche schon seit über 25 Jahren dieser liebgewonnenen Tradition folgen und an Pfingsten aus den unterschiedlichen Richtungen zusammenzukommen. Miteinander wandern, singen und beten, einem Thema aus biblischem Kontext nachspüren und miteinander teilen, was das vergangene Jahr an Schönem und Schlimmen für jeden Einzelnen gebracht hat… Eigentlich hätte ich heute das Auto gepackt mit Liederheften, Impulsgedanken auf Papier und einige Hilfsmittel rund ums Bibelteilen und geistliches Gespräch… Die Unterkunft wäre vorbereitet gewesen, die Mahlzeiten und Lunchpakete bestellt und die Wanderrouten von einem Team der Gruppe entsprechend ausgekundschaftet gewesen… 3 Tage hätten wir Gemeinschaft unterwegs erlebt und uns gegenseitig von unsern Freuden, Sorgen und Ängsten erzählt. Seit diese Pandemie uns alle im Griff hat, lerne ich im Konjunktiv zu denken und je länger diese Unplanbarkeit aller Zusammentreffen andauert, umso wehmütiger und resignierter werde ich und bemühe mich, dennoch jeden Tag als ein neues Abenteuer anzunehmen.

    Von Dom Helder Camara heißt es:

    „Sage ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen,

    deine Träume zunichte machen,

    deinem Tag eine ganz andere Richtung geben-

    ja vielleicht deinem Leben.

    Sie sind nicht Zufall.

    Lass dem himmlischen Vater die Freiheit,

    selber den Verlauf deiner Tage zu bestimmen.“

    Auch wenn es schwerfällt, ich versuche mich in dieser Haltung zu üben.

    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 27. Mai

    Letzten Donnerstag, Fest Christi Himmelfahrt und schönes Wetter. Ich ging am Nachmittag in den Rheinanlagen und der Innenstadt spazieren. Viele Menschen waren unterwegs. Eigentlich alles wie immer, doch nicht ganz. In Corona Zeiten verhalten wir uns etwas anders. Wir halten mehr Abstand zueinander und tragen Mund und Nasenschutz. In den Gaststätten laufen wir nicht einfach an einen freien Tisch, sondern wir warten bis wir einen Tisch zugeteilt bekommen. Neue Verhaltensweisen, die wir zurzeit einüben. Ich denke, dass so manches gar nicht so schlecht ist und wir auch nach der Corona Krise das Eine oder Andere beibehalten könnten.

    Auch der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Thessalonicher  „Prüft alles und behaltet das Gute“. Natürlich freuen wir uns alle über weitere Lockerungen der derzeitigen Beschränkungen, aber so manches was wir zurzeit an Zurückhaltung und Achtsamkeit einüben, können wir durchaus weiterbehalten. Dann haben wir auch aus einer problematischen Zeit das Gute behalten.

    Pfr. Herbert Lucas

    Pfarreiengemeinschaft Koblenz (Metternich)

  • 26. Mai

    Doppelt beschenkt

    Zum Geburtstag schenkte mir eine Freundin eine Konzertkarte. Die Vorfreude war groß, doch leider wurde das Konzert zu Beginn der Coronazeit abgesagt. Schade!
    Als Ersatz schenkte sie mir nun kürzlich einen Buchgutschein. 
    Durch einen Zeitungsartikel und einen Radiobeitrag werde ich auf den 75. Geburtstags von Pippi Langstrumpf aufmerksam. Auf die Frage, was es an Pippi Langstrumpf mag, antwortet ein Mädchen: „Sie ist großzügig, stark, lässt sich nicht einschüchtern, ist einfach so, wie sie sein möchte“.  Ich fühle mich direkt in meine Kindheit und meine Begeisterung für Pippi Langstrumpf zurückversetzt. Am Nachmittag mache ich mich auf zur Buchhandlung und erstehe von meinem Gutschein das entsprechende Buch.
    Kurz darauf schickt mir eine andere Freundin einen Link zu einem Beitrag der Theologin und Autorin Christina Brudereck. Darin sagt diese: „Ich persönlich stelle mir die heilige Geistkraft am liebsten vor wie Pippi Langstrumpf. Wenn ich verzagt bin, feige, allzu angepasst oder mich klein fühle schickt sie den Annika-Seiten in mir Besuch von nebenan vorbei … Mit ihr kann ich beherzt sein, sie beschenkt mich mit den kühnsten Träumen und mit dem Mut, sie zu verwirklichen…“        Eine neue Sicht auf Pipi Langstrumpf! 
    Am nächsten Morgen wache ich in aller Frühe auf und lese die ersten Geschichten von Pippi, Annika, Tommy…
    Die Geschichten sind frech, freiheitlich, voller Warmherzigkeit und Fantasie.
    Als ich nach einigen Geschichten das Buch zuschlage, schließe ich noch einmal die Augen. Zu meiner Überraschung fühle mich fast wie in einem Konzertsaal. Erst jetzt bemerke ich, wie durch das offene Fenster ein wunderbares Vogelkonzert dringt. Anders als geplant komme ich doch noch zu meinem Konzert.

    So starte ich in diesen Tag – doppelt und dreifach beschenkt. Danke!

    Gott, ich danke
    für Geschichten, die Mut machen und das Herz erwärmen,
    für das Vogelgezwitscher am frühen Morgen,
    für gute und fantasievolle Freundinnen,
    für entspannte Augenblicke,
    für erfrischende Gedanken und neue Sichtweisen,
    für das Geschenk des Lebens. Amen.


    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 25. Mai

    "Glaubt ihr jetzt?" (Joh 16,31)

    "Glaubt ihr jetzt?" fragt Jesus seine Jünger im heutigen Evangelium, nach dem sie (wieder einmal) erkannt haben, dass Jesus der Christus ist.
    Fast ein wenig skurril, dass die Jünger den Sohn Gottes unmittelbar vor der Nase haben, seine Wunder hautnah miterleben dürfen und Gleichnisse aus seinem Mund hören, statt wie wir aus einem Buch - und trotzdem fällt es ihnen schwer an Ihn zu glauben.
    Ja, wenn man sich die Jünger im heutigen Johannesevangelium so anschaut, da wundert es einen nicht, dass die Kirchen heute leer sind und die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Wenn es für die Jünger als "Live-Zeugen" damals schon so schwer gewesen sein muss zu glauben, kann man sich gut vorstellen, wie schwer der Glaube an Jesus als den Christus heute einem Menschen fallen muss.
    Und dann schließt das Evangelium mit einer Knaller-Prophezeiung. Gerade haben die Jünger nochmals erkannt, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist, da prophezeit er ihnen, dass Er von ihnen allein gelassen wird. Wankelmütige Kandidaten, diese Jünger.
    Da beruhigt es irgendwie, dass auch ich manchmal so meine Zweifel habe. Ich es hin und wieder versäume immer und überall meinen Mann für Christus zu stehen und ihn dann, wie die Jünger, alleine lasse. Sollte das sein? - Definitiv nicht? Doch es darf wie uns die Jünger zeigen.
    So können uns die Jünger ein gutes Vorbild dafür sein, als Christen zu Jesus zu gehören und trotzdem immer wieder in Phasen und Situationen unseres Lebens zu kommen, in den wir zweifeln. Entsprechend, so denke ich, geht es nicht darum eine allgemein dauerhaft gültige Antwort zu geben, sondern die Frage Jesu täglich neu zu beantworten, wenn er fragt "glaubt ihr jetzt?".

    Eine gute Pfingstnovene und für die kommende Zeit alles Gute und Gottes Segen wünscht Ihnen,

    Jonas Staudt, Diakon

  • 23. Mai

    fragment

    wachsen dürfen

    alles bleibt vorläufig

    bruchstück um bruchstück wächst das bild

    in eins

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 22. Mai

    Gutes erwarten

    Corona-Krise – von jetzt auf gleich sich verabschieden von Planungen und Vorhaben, sogar von menschlichem Kontakt. Auch wenn es jetzt gewisse Lockerungen gibt, ist klar, dass die Krise nicht schnell überwunden und auch danach einiges anders sein wird, als wir es bisher gewohnt waren. 

    Christen feiern das Fest Christi Himmelfahrt. Das Fest geht zurück auf eine absolute Krisensituation. Menschen erhofften sich mit Jesus eine bessere Zukunft und der war jetzt tot – shutdown total. 

    In der Bibel lesen wir Tipps, mit dieser schlimmen Situation umzugehen: „Geht nicht weg, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir gehört habt!“ Also, lauft nicht vor der Situation weg, bleibt da, stellt euch den Herausforderungen. Habt Geduld, wartet, keine schnellen unüberlegten Lösungen und erwartet bitte nicht das Schlimmste, sondern rechnet voller Hoffnung mit Gottes Verheißung für euch (nichts Neues, ihr kennt sie schon) und mit seiner Kraft, mit guten Ideen und hilfreichen guten Gedanken. 

    Im Bibeltext lesen wir weiter: Als Jesus emporgehoben wird und sie ihm nach oben nachschauen, hören sie: „Was steht ihr da und schaut nach oben?“ Also, nicht aus heiterem Himmel und auch von keinem da oben, wird mir meine heile Welt wiedergebracht, sondern ich muss meinen Blick erden. Und wenn ich in meinen Möglichkeiten mit der mir geschenkten Kraft und Energie hoffnungsvoll spreche und achtsam, stärkend und hilfreich mit Menschen um mich herum umgehe – vielleicht kann dann an einer kleinen Stelle die Erde zum Himmel werden. 

    Ich finde, dass in dieser Corona-Krise bisher schon einige Male ein Stückchen Himmel auf der Erde aufgeblitzt ist: in den vielen kreativen, Menschen verbindenden Ideen, Hilfen und solidarischen Aktionen, in wohltuenden, verständnisvollen, Energie freisetzenden Gesprächen. Vielleicht waren Sie daran beteiligt. 

    In jedem Falle wünsche ich uns allen nicht nur in dieser zurzeit rauen See ein Boot aus Mut, ein Mast aus Vertrauen, ein Segel aus Hoffnung und ein Meer aus Träumen.


    Matthias Olzem, Pastoralreferent

  • 21. Mai

    Das Stück Himmel über unserem Leben

    Das Fest „Christi Himmelfahrt“, vierzig Tage nach Ostern und zehn Tage vor Pfingsten, ist Ausdruck unseres Glaubens an die Auferstehung Jesu. Zugleich ist es Ausdruck der Hoffnung, dass wir selbst eines Tages, gemeinsam mit unseren Verstorbenen, Anteil an dieser Auferstehung und am himmlischen Leben haben werden.

    Aber nicht erst angesichts des Todes schaue ich zum Himmel empor. Der Tipp von Marcel Proust, „Versuche stets, ein Stückchen Himmel über deinem Leben frei zu halten!“, ist für mich wie ein Fingerzeig Gottes für den Alltag.

    Denn in meinem Leben spüre ich tatsächlich "ganz viel Luft nach oben“: zum Staunen, zum Freuen und Träumen, zum Danken und Bitten und um mich immer wieder neu "himmelwärts" auszurichten, in meinem Denken, Handeln und Fühlen - nicht nur, aber auch, an Christi Himmelfahrt..    


    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 20. Mai

    Auferstehung ist keine Rückkehr zur Vergangenheit

    Liebe Leserinnen und Leser,
    liebe Schwestern und Brüder,

    sechs Wochen ist es nun her, dass wir in unserer Kirche – wenn auch in diesem Jahr anders wie gewohnt – das Osterfest feierten. In dieser Zeit waren die vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den Gemeinden unseres Bistums durch zahlreiche und vielfältige Angebote bemüht, das Bestärkende unseres Glaubens greifbar und erfahrbar werden zu lassen. Als Seelsorger durfte ich hierbei die Erfahrung machen, dass diese unterschiedlichsten, innovativen Angebote von einem Großteil der Gläubigen vor Ort positiv angenommen wurden. So wurde durch die Corona-Krise und dem damit verbundenen Gottesdienstverbot scheinbar der von vielen Menschen gehegte Wunsch wahr, dass die Katholische Kirche in Deutschland endlich „modern“ wird und ein vielfältig kreatives und digitales Angebot für Menschen unterschiedlichen Alters schafft.

    Doch nun kehrt man durch die Lockerungen der bisherigen Corona-Maßnahmen so langsam vielerorts wieder zu den Gottesdiensten zurück. Für den „harten Kern“ unserer Gemeinden ist dies sicher ein Grund zum Aufatmen und das auch mit vollem Recht. Denn die Feier der Heiligen Messe, der Empfang der Eucharistie, bleibt im Glauben unserer Kirche „Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens“, wie es das Zweite Vatikanische Konzil sagt.

    Und auch mich freut es sehr, dass man kirchlich und gesellschaftlich schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren kann. Dass wir aus dem nunmehr fast acht-wöchigen ‚Lockdown‘ wieder auferstehen. Doch es wäre trügerisch, würden wir uns einreden, dass es fortan wieder so weiter gehen wird, wie es zu Zeiten vor den Corona-Maßnahmen war.

    Liebe Schwestern und Brüder,

    mit Blick auf diesen Gedanken schaue ich auf das anfangs erwähnte Osterfest. Denn Christus ist durch die Erfahrung des Todes verändert worden. Die Evangelien erzählen, nicht mal seine Nächsten konnten ihn wiedererkennen: Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus hielten ihn für einen fremden Wanderer, Maria Magdalena für den Gärtner und der Apostel Thomas erkannte ihn erst durch seine Wunden. Ein Zeichen dafür, dass Auferstehung nicht bloß eine schlichte Rückkehr in die Vergangenheit, zu einem vorherigen Zustand ist.

    Die Osterbotschaft selbst mahnt uns also an, nicht nochmal in die Gewohnheiten bisheriger Denk- und Handlungsmuster zu verfallen. Sondern das durch Gott Verwandelte anzunehmen und für das eigene Leben im christlichen Bewusstsein fruchtbar werden zu lassen. Dieses Neue und Fruchtbringende der Osterbotschaft wünsche ich Ihnen und unserer Kirche im Bistum Trier.

    Für die kommende Zeit wünsche ich Ihnen auch weiterhin Gesundheit und Gottes Segen.


    Jonas Staudt, Diakon

  • 19. Mai

    Zwei Seiten einer Medaille

    Schon viele Wochen dauern Einschränkungen und gelten Verbote für unser tägliches Leben: Ausgeheinschränkungen, Besuchsbeschränkungen, viele Geschäfte, Kinos, Theater sind zu, Abstand voneinander muß eingehalten werden, besondere Hygienemaßnahmen müssen beachtet werden. Das alles war und ist notwendig – auch wenn es harte Maßnahmen sind. Es geht ja um Menschenleben.

    Dagegen werden mehr und mehr kritische Stimmen laut, gibt es Proteste und Demonstrationen gegen die Einschränkung von verschiedenen Grundrechten, gegen die Beschränkung von vielen Freiheiten. Das ist legitim; denn das Demonstrationsrecht gehört zu einer intakten Demokratie.

    Was aber zu bedenken ist: Dass wir Grundrechte haben und damit die eigene Freiheit  genießen können, die das Grundgesetz garantiert, ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite gehört dazu: Wir haben auch Grundpflichten. Die Goldene Regel, die uns Matthäus in seinem Evangelium aufschreibt, bringt das nachdrücklich zum Ausdruck: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ oder positiv ausgedrückt: „Was du willst, das man dir tu, das tu auch anderen“. Der Theologe Hans Küng sagt in diesem Zusammenhang: „Gleichzeitig haben alle Menschen die gemeinsame Pflicht, zum Gemeinwohl beizutragen, die Auswirkungen ihrer Handlungen auf die Sicherheit und das Wohlergehen anderer zu berücksichtigen……“ ( siehe: Hans Küng, Anständig wirtschaften). 

    Konkret gesagt heißt das: Solidarität zu üben, Rücksichtnahme zu pflegen, Toleranz zu üben und sich um ein differenzierendes Urteil zu bemühen. Wenn man manche Protestaktionen sich anschaut, sieht man, dass vieles davon nicht beachtet wird: Der Mindestabstand voneinander wird von manchen nicht eingehalten, manche tragen keinen Mundschutz, zum Teil werden schlagwortartige Parolen -vermischt mit Falschnachrichten- verkündet.

    Gerade diese Haltungen: Solidarität, Rücksichtnahme, Toleranz und das Bemühen um ein differenzierendes Urteil und eine entsprechende Sprache machen gutes menschliches Zusammenleben möglich und können auch helfen, die Belastungen der Coronnakrise durchzustehen und zu bewältigen.
     

     Helmut Kusche, Pfrarrer i.R.

  • 18. Mai

    Liebe Mitmenschen,

    wie geht es Ihnen heute? 

    Die gleiche Frage hat mir mein Mitbruder am Sonntag vor dem Gottesdienst gestellt. 

    Mir geht es gut, war meine Antwort. Trotzdem und obwohl es mir zu dem Zeitpunkt wirklich gut ging war ich nicht ganz zufrieden. Bei näherem Betrachten dessen, fiel mir auf, dass es mir immer noch Mühe bereitet mit den mir selber auferlegten und von höherer Stelle angeordneten Schutzmaßnahmen zu leben und meiner Arbeit nachzugehen.

    Geht es Ihnen ähnlich? 

    Wer hat eigentlich behauptet, dass es keine Mühe bereiten würde, Seelsorge in dieser Zeit zu betreiben oder den Beruf auszuüben? 

    Wenn die Beschäftigungen die uns früher leicht von der Hand gingen uns plötzlich Mühe bereiteten, dann muss uns das nicht verunsichern. Es zeigt mir in meinem Dienst als Christ, dass der Weg der Nachfolge kein leichter Weg ist.

    Jeden Tag neu muss ich mich entscheiden:  aufzustehen, zu beten, zu Frühstücken, zur Arbeit zu fahren, um die Aufgaben die anstehen, zu erledigen. 

    Ich könnte natürlich auch ganz einfach zu Hause bleiben und mich mit anderen darauf verständigen, dass es viel zu viel Mühe kostet und viel zu gefährlich ist irgendetwas anzubieten. Ich könnte es tun, aber ich tue es nicht.  Jedenfalls noch nicht gleich, vielleicht später ...

     

    Liebe Mitmenschen,

    ist es die Mühe wert? 

    Am heutigen Gedenktag der Seligen Schwester Blandine Merten lohnt es sich, sich von Ihr inspirieren zu lassen für unser tägliches tun. 

    Sie tat nichts Außergewöhnliches, aber das alltäglich Aufgegebene tat sie außergewöhnlich gut. Als Lehrerin und Erzieherin, als Ordensfrau und als Mensch, der durch Krankheit und Leiden hindurch den Weg der Hoffnung weist und geht, ist sie ermutigendes Vorbild. Am 1. November 1987 wurde sie seliggesprochen. Auf Ihre Fürsprache lasst uns gemeinsam beten: 

    Ewiger Gott, lenke unseren Sinn von den vergänglichen Dingen auf das, was bleibt. Gib, dass wir nach dem Beispiel der seligen Blandine in aufrichtiger Liebe unsere Lebensaufgabe erfüllen und einst zur Anschauung deiner Herrlichkeit gelangen. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen


    Roman Fries SAC, Militärpfarrer

  • 16. Mai

    In Kontakt kommen mit Jesus

    Hygiene, Abstand und gegebenenfalls Quarantäne gelten schon in der Bibel im Blick auf Krankheiten, gegen die (noch) „kein Kraut gewachsen ist“, als geeignete Verhaltensregeln. Betroffene, die zum Beispiel Symptome von „Aussatz“ (Oberbegriff für diverse Hautkrankheiten) zeigten, wurden umgehend isoliert – und hatten selbst dafür Sorge zu tragen, dass ihnen ja niemand zu nahe trat. Einer der Evangelisten, der Arzt Lukas, erzählt auf diesem Hintergrund die Geschichte einer Kontaktaufnahme. Da wendet sich ein Mensch aufgrund seiner ihn isolierenden Erkrankung an Jesus und bittet ihn um Hilfe. Seine Not ist der Anlass für sein „Gebet“. Am Ende der Geschichte ist der Mann geheilt. Aber das ist hier vielleicht noch nicht mal das Erstaunlichste. Hervorzuheben ist auch das Verhalten von Jesus: noch bevor der Mann wieder gesund ist und die offensichtlichen Symptome verschwunden sind, geht Jesus auf den Mann zu und berührt ihn mit der Hand. Jesus lässt sich dabei nicht von Abstandsregeln ausbremsen, vom allseits akzeptierten „social distancing“ oder von persönlichen Berührungsängsten. Nein, zum Erstaunen aller – und vor allem zum Erstaunen des Mannes sucht Jesus im wahrsten Sinne des Wortes den unmittelbaren Kontakt. So ist Jesus: überraschend anders – damals und heute! (nachzulesen im Neuen Testament: Lukas 5,12-16)

    Darf ich Sie persönlich fragen: Wie steht es um ihren Kontakt mit Jesus? Sind Sie regelmäßiger Kirchgänger (gewesen) oder haben Sie den „lieben Gott“ bisher lieber auf Abstand gehalten? Vielleicht kann ja auch für Sie die gegenwärtige Corona-Krise den Anstoß geben, den Kontakt mit Jesus aufzunehmen. Lassen Sie sich überraschen, wie Jesus antwortet!


    Werner Süß, Pastor

  • 15. Mai

    Lebensmittel

    Diesen Laden entdeckte ich im Jahr 2013 auf einer Reise nach Berlin. Inmitten dieser sehr lebhaften und unruhigen, in ständiger Bewegung befindlichen Stadt signalisiert die nostalgische Außengestaltung: Hier gibt es einen Ruhepunkt, frische Brötchen und Kuchen vom Bäcker. Handgemacht und lecker. 

    Wir gestalten unser Leben heutzutage oft eher „Instant“. Nicht nur die Dinge, die wir essen, sind mehr und mehr Fertigprodukte. Auch der Rest unseres Lebens, beruflich wie privat, wird uns mundgerecht serviert: Wir arbeiten oft mit fertigen Programmen und Produktionsabläufen und unsere Freizeit verbringen wir nicht selten auf Festen, Märkten oder Freizeitparks oder auch einfach nur vor dem Fernseher. Die Freizeitindustrie wächst. Unsere Lebensmittel, die für den Körper, aber auch die für den Geist, kommen mehr und mehr vom Band.

    Die letzten Wochen und Monate haben uns gezeigt, wie es ist, auf vieles verzichten zu müssen. Sie haben uns viel abverlangt und einiges an Frust und Verzweiflung gebracht. Es waren – und es sind immer noch – schwere Wochen. Aber sie haben eine erstaunliche Fülle an kreativen Lösungen hervorgebracht, wie wir füreinander zum Lebensmittel werden können.

    Im Abschnitt aus dem Evangelium für den heutigen Tag (Joh 15,12-13) steht das Gebot: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ – Das heißt in den wenigsten Fällen, für einen anderen zu sterben. Wenn wir dieses Gebot aber ernst nehmen, dann heißt das, miteinander kreativ diese Welt so gestalten, dass alle Menschen dieser Welt, hier bei uns und in den fernsten Ländern, ihr Leben in Würde und Gerechtigkeit leben können. Es geht nicht darum, dass die einen verzichten und die anderen dazugewinnen, es geht darum, dass alle das Leben haben, und zwar das Leben in Fülle, von dem das Evangelium spricht.


    Pfr. Michael Frevel 

  • 14. Mai

    Ich habe ein Weilchen gebraucht,

    bis ich diesen Spruch über dem Brotregal beim Bäcker

    richtig verstanden habe.

    Erst dachte ich, das wäre ein billiger Werbetrick:

    Keines der hier ausliegenden Brote soll also hart sein?

    Selbst wenn es schon ein paar Tage alt wäre? 

    Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein!

     

    Aber dann ist der Groschen bei mir gefallen:

    Wirklich hart ist es, gar kein Brot zu haben!

    Das geht mir seitdem immer wieder durch den Sinn,

    wenn ich vor der großen Auswahl an Broten beim Bäcker stehe.

    Das relativiert auf heilsame Weise mein "Jammern auf hohem Niveau"!

     

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

     

  • 13. Mai

    Die Natur hat immer recht (Goethe)

    Vom 11.-15. Mai wird seit langer Zeit der Eisheiligen gedacht. Viele Bauernregeln gehen auf diese Erfahrung zurück, dass Mitte Mai sich noch einmal Nachtfrost und Eisregen einstellen und damit zur Gefahr für bereits ausgepflanzte Saat werden können. In diesem Jahr erleben wir pünktlich genau dieses Naturschauspiel und wundern uns, wie die Natur ihre eigenen, dem Menschen nicht immer nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten hat, denen wir uns nur staunend und achtsam nähern können.

    Johann Wolfgang von Goethe hat dies in einem Satz einmal so zusammengefasst:

    Die Natur versteht garkeinen Spaß,

    sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge,

    sie hat immer recht

    und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen.

    Mögen wir in diesem Sinne die Naturphänomene betrachten und auch in der jetzigen Zeit achtsam beobachten, was in diesen Tagen angesagt ist.
     

    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 12. Mai

    Unterbrechung

    In den letzten Wochen hat sich in meinem Tagesablauf vieles verändert. Da sämtliche Veranstaltungen und Treffen ausfallen, habe ich mehr Zeit für ausgiebige Spaziergänge. Und auch hierbei spüre ich eine Veränderung bei mir und glaube sie auch bei Menschen wahrzunehmen, denen ich begegne. Ich bin achtsamer unterwegs, mit mehr Ruhe, lasse mich gerne auf Gespräche ein, weil ich ja Zeit habe und nicht nur möglichst schnell von A nach B will. Oft bleibe ich stehen und es ergeben sich gar nicht so selten recht intensive Gespräche – trotz Abstand. Diese ungeplanten Kontakte heben meine Stimmung und oft beschäftigen mich Gedanken noch längere Zeit und regen mich zum weiteren Nachdenken an. Zum Beispiel die Begegnung mit Georg. Unsere Wege kreuzen sich außerhalb einer Ortschaft in der Natur und es beginnt mit einem freundlichen „Hallo, wie geht´s“. Dann kommen wir ins Erzählen: Darüber, wie sich unsere Arbeit verändert hat, was uns zu schaffen macht und auch, wie wir diese Corona-Pandemie als Unterbrechung erleben. Bei dem Stichwort „Unterbrechung“ bleiben wir hängen und vertiefen in unserem Gespräch, wie wir uns durch Unterbrechungen in unseren Gewohnheiten gestört fühlen aber auch, welche Chancen in einer Unterbrechung stecken.

    Und dann lächelt Georg mich an und sagt: „Beim Stichwort „Unterbrechung“ denke ich an den Satz: Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung.

    Wir rätseln noch kurz, von wem dieser Satz stammt, von dem wir uns in einer gemeinsamen Zeit im Pfarrgemeinderat schon einmal inspirieren ließen. Wieder zuhause angekommen, habe ich es dann schnell herausgefunden: Von dem katholischen Theologen Johann Baptist Metz. Und ich lese weiter in einem Artikel von Doris Strahm: „Religion als Unterbrechung stellt infrage, dass alles so bleiben muss, was immer schon galt und was das Leben von uns Menschen scheinbar alternativlos bestimmt.

    Religiöse Erfahrungen durchbrechen unsere vermeintlichen Gewissheiten, unterbrechen den Alltag mit seinen hundertfachen Anforderungen und Erwartungen an uns; sie brechen das Gewohnte auf, machen uns offen für etwas Größeres, das nicht einfach machbar ist und über unsere Erwartungen hinausweist.“

    Ich bin jedenfalls froh über die Unterbrechungen bei meinen Spaziergängen und fühle mich beschenkt durch so manch wohltuendes und anregendes Gespräch.

     

    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 11. Mai

    Schritt für Schritt

    Im Buch „Momo“ von Michael Ende wird von einem Straßenkehrer namens Beppo berichtet, der treu und zufrieden seiner Arbeit nachgeht. Es wird berichtet, dass er den Auftrag hat, eine sehr lange Straße zu kehren. Er vollzieht seine Arbeit langsam aber stetig nach dem Dreiklang „Schritt-Atempause-Besenstrich“. Und er sagt, dass er so seine Arbeit am besten erledigen kann.

    Schritt für Schritt das ist auch zurzeit das Motto, mit dem wir uns langsam aus der Corona-Krise wieder in unseren normalen Alltag bewegen. Aber auch das geht nicht schnell, eben Schritt für Schritt. Wir bleiben behutsam und achtsam gegenüber uns selber und gegenüber unseren Mitmenschen. Auch bei diesen Unterfangen brauchen wir einen langen Atem und Schnelligkeit ist nicht angesagt. Die Langsamkeit kann aber auch guttun, sie macht uns sensibel und nachdenklich. Eigenschaften, die wir auch nach der Corona-Krise beibehalten und pflegen sollten.

    Pfarrer Herbert Lucas

  • 09. Mai

    Es ist trocken in unseren Gärten.

    Der Boden sieht nicht danach aus, als wäre er besonders fruchtbar.

    Viele Steine, harter Boden.

    Und doch. Ein grüner Strauch wächst dort.

    Unscheinbar hat er den Winter überstanden, und nun ist seine Zeit da.

    Er treibt aus und bringt eine wunderschöne Blüte hervor.

    Einfach, weil seine Zeit gekommen ist.

    Pfingstrosen.

    Ihr Erblühen in der Osterzeit ist für mich ein Zeichen der Hoffnung.

    Diese Pflanzen sind irgendwann von irgendwem gesetzt worden

    und seither blühen sie Jahr für Jahr, wenn ihre Zeit gekommen ist.

    Das, so sagt uns Jesus, ist auch mit dem Wort Gottes so.

    Wir dürfen es in die Herzen der Menschen Pflanzen,

    durch unser Christsein, unser Lebenszeugnis.

    Blühen wird es irgendwann.

    Wenn die Zeit gekommen ist.

    Durch die Kraft des Heiligen Geistes.

    Pfingstglaube.

    Pfr. Mchael Frevel

  • 08. Mai

    AK Ökumene und KEB erinnern an Kriegsende vor 75 Jahren

    Koblenz. Wenn am 8. Mai um 12 Uhr in Koblenz die Kirchturmglocken aller Stadtpfarreien zum großen Geläut erklingen, steckt dahinter ein besonderer Anlass. Dann ist es genau 75 Jahre her, dass die Kapitulation Deutschlands besiegelt und mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein neuer Anfang gesetzt wurde. „Diesen Anlass nutzen wir und laden dazu ein, den wichtigen Tag der Erinnerung mit einem Moment des Innehaltens zu begehen“, erklärt Monika Kilian vom Arbeitskreis Ökumene in der City in Koblenz. „Gerade durch die Corona-Pandemie besteht die Gefahr, dass insgesamt die historische Bedeutung im Gedenkjahr 2020 ein Stück weit verloren geht.  Dem wollen wir, nachdem das eigentlich geplante Ökumenische Nachtgebet nicht live möglich ist, mit einem digital unterstützten Format entgegenwirken.“ Zusammen mit Birgit Becker, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte und Daniel Steiger, Leiter der Fachstelle für katholische Erwachsenenbildung, wurde daher eine Online-Möglichkeit geschaffen, um das Anliegen für alle Interessierten im Internet zugänglich zu machen.

    „Wer möchte, kann sich mithilfe des Barcodes, den wir zur Verfügung stellen, einen automatischen Eintrag in seinen Smartphone-Kalender laden. Am 8. Mai öffnet sich der Kalendereintrag, erinnert ans Erinnern und verweist auf eine Sammlung von Impulsen“, erklärt Steiger. Der Barcode und ein Link zu Texten, Liedern, Videos und Gebeten, die sich zum Innehalten eignen, finden sich auf den Homepages der Veranstalter. Gleichzeitig stellen die Veranstalter die Texte zum Mitnehmen am Koblenzer Mahnmal für die NS-Opfer am Reichensperger Platz zur Verfügung. „Wir hoffen, dass wir damit einen kleinen Beitrag leisten können und sich möglichst viele Menschen in Deutschland 75 Jahre nach der Nazi-Diktatur einen Moment Zeit nehmen. Aus der Vergangenheit lernen, ist auch heute und gerade heute wichtig. Ich wünsche mir, dass die Kirchenglocken an diesem 8. Mai besonders laut und mahnend klingen werden“, drückt es Becker aus.

    Nähere Informationen u.a. bei der katholische Erwachsenenbildung, www.keb-koblenz.de, Tel 0261 963 55 90. Die Sammlung an Impulsen findet sich unter dem Link www.bit.ly/2wVmZqs.

  • 07. Mai

    Liebe Mitmenschen,

    der Marienmonat Mai zeigt sich gerade von seiner schönen Seite. Die Tage werden wieder länger, die Sonne lacht vom Himmel und die Temperaturen werden angenehmer. Die Einschränkungen mit denen viele Menschen in der zurückliegenden Zeit zu kämpfen hatten werden zunehmend gelockert. Doch von Normalität kann und darf noch keine Rede sein, auch wenn viele, mich eingeschlossen, dass gerne hätten. Der Virus ist noch aktiv und die Gefahr ist nicht gebannt. Dass einzige was anders ist als noch vor sieben Wochen, ist, dass wir gelernt haben mit dem Virus zu leben.  Den räumlichen Abstand zum anderen einzuhalten ist mir anfangs schwergefallen und Ihnen erging es vielleicht ähnlich?  Um eines höheren Zieles willen, waren Menschen bereit viele Entbehrungen auf sich zu nehmen. Ob dieser Verzicht dann immer freiwillig war ist eine andere Frage. 

    Liebe Mitmenschen,

    wohin wenden wir uns mit den Fragen unseres Lebens?

    GEBET

    Vater im Himmel! Wenn wir in der Dunkelheit unserer Tage am rechten Weg zweifeln und dein Wort uns unsicher scheint, dann stärke uns im Blick auf Maria, von der Elisabeth sagte: Selig bist du, weil du geglaubt hast.

    Wir bitten dich, erhöre uns.

    Wenn wir angesichts unserer vielen Aufgaben ratlos und mutlos werden, gib uns im Leben der Gottesmutter ein Zeichen lebendiger Hoffnung.

    Wir bitten dich, erhöre uns.

    Wenn heute die Liebe durch Egoismus und falschen Ehrgeiz in vielen Herzen erkaltet, schenke uns wie Maria ein bereites Herz, um dich, unseren Gott, zu loben und unseren Mitmenschen zu dienen.

    Wir bitten dich, erhöre uns.

     

    Ich wünsche Ihnen allen einen sonnigen Tag.

    Roman Fries SAC, Militärpfarrer

  • 06. Mai

     

     

    Gebet am Morgen

    DU, der DU das leben gibst - hab dank für das geschenk der nacht und den erholsamen schlaf

    DU schenkst auch den neuen tag mit seinem aufsteigenden licht

    DU lässt mich aufrecht vor DIR stehen und fröhlich aufbrechen in den neuen tag

    schenke mir den blick für die vielen gelegenheiten das leben zu schmecken und zu lieben

    DU, der da war und ist und sein wird, komme, was kommt...

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 05.Mai

    „Neue Normalität“

    Die Coronna-Krise hat viele Menschen ausgebremst, das Leben der einzelnen Menschen vielfältig eingeschränkt, das soziale Miteinander reduziert und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes großenteils zum Stillstand gebracht.  Deswegen wächst jetzt die Zahl derer, die nach Aufhebung der strengen Verhaltensregeln rufen. Zur Zeit werden nun erste Schritte zur Lockerung  der vielen Einschränkungen und Verbote gemacht. Dabei wird betont, dass wir noch längere Zeit mit dem Virus leben müssen.

    Alle möchten, dass das Leben wieder normal  wie früher werden soll. Aber es wird nichts mehr sein wie vor dem Auftreten des Virus. Wir werden uns an eine „neue Normalität“ gewöhnen müssen – betonen weitblickende Menschen.

    Auch innerhalb der Kirche möchten viele, dass wieder alles so läuft wie vor der Coronna-Krise: Viele Gottesdienste, viel Aktivitäten in den Pfarreien, großartige Erstkommunionfeiern, Hochzeiten unnd Taufen zu allen gewünschten Terminen, Prozessionen zu verschiedenen Festen, viele volkskirchliche Gewohnheiten und Bräuche.

    Demgegenüber werden wir auch in der Kirche eine „neue Normalität“ einüben müssen. Gerade aus der Erfahrung. dass das übliche seelsorgerische und pastorale Wirken der Kirche sehr eingeschränkt war, ergibt sich die Gelegenheit und die Notwendigkeit, die Frage zu stellen: Wie kann, wie muß in Zukunft die Seelsorge der Kirche aussehen?

    Es wird darum gehen, viel stärker als bisher nahe bei den Menschen zu sein,

    d.h. viel mehr auf die Menschen zuzugehen, -zu sehen und zu hören, wo sie der Schuh drückt.; des weiteren:  -kleine Gemeinschaften und Gesprächskreise zu bilden, in denen über Lebensprobleme und Glaubensfragen gesprochen wird, 

    -Gebetsgemeinschaften zu ermöglichen, -gottesdienstliche Feiern in Hauskreisen anzuregen ( wie es in der Trierer Bistumszeitung „Paulinus“ vorgeschlagen war), -Menschen, die in ihrer Umgebung Notsituationen sehen, zu ermutigen, mit anderen zusammmen Hilfsmöglichkeiten zu schaffen. Dass das alles geht und möglich werden  kann, haben die letzten Wochen ermutigend gezeigt. Es wurde sichtbar mit welcher Kreativität  einzelne Christinnen und Christen, Priester und Pfarrangehörige neue Wege versucht haben.

    Wir werden in unserer Kirche umdenken und eine „neue Normalität“ einüben müssen, um die Botschaft Jesu den Menschen in unserer Zeit glaubwürdig zu verkünden und selbst zu leben.

     Helmut Kusche, Pfr.i.R.

  • 04. Mai

     

     

     

     

    wandlung

    liebe verwandelt

    wer sie fühlt

    und wen sie trifft

    verwandelbar

     

     

     

     

     

     

    Es gibt im Rheinland eine schöne Tradition – immer zum 1. Mai werden geschmückte Maibäume von jungen (oder auch älteren) Männern vor die Häuser ihrer Freundin, Partnerin, „Angebeteten“ … gestellt.

    Nur alle vier Jahre ist es umgekehrt: denn im Schaltjahr stellen die Frauen (in Umkehrung der tradierten Geschlechterrollen) ihren Geliebten einen solchen Maibaum vor die Tür oder in den Garten.

    In diesem Jahr hat sich eine Gruppe mutiger junger Frauen eine besondere Art von „Liebesbeweis“ ausgedacht: sie haben in der Nacht zum 1. Mai sieben geschmückte Mai-Bäume an den Zaun des Bonner Priesterseminars gestellt.

    Sie wollten damit nicht die dort wohnenden Priesteramtskandidaten als Partner umwerben, sondern symbolisch ihre Hoffnung ausdrücken, dass sich die Kirche liebe-voll und geschlechtergerecht verwandeln und entwickeln lässt (mit allen Themen, die auch auf dem Synodalen Weg der Katholischen Kirche Deutschlands diskutiert werden).

    Auf einem der Herzen dieser Bäume war, neben dem Namen „Maria 2.0“ und den Worten „Gerechte Kirche“ (in Kreuzform geschrieben), eine Zeichnung zu sehen, wie die Kirche zärtlich „wachgeküsst“ wird.

    Ob das zu viel des Guten war? Die Mai-Bäume wurden schon im Laufe des Tages am 1. Mai-Feiertag ihrer Herzen beraubt: die Bäume blieben stehen, aber mit abgeschnittenen Herzen. Verwundet. Auch das ist eine Botschaft. Schade.

     

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

    (nähere Informationen auch auf www.katholisch.de)

  • 02. Mai

    Geduldig wartend überdauert das Unkraut des Menschen nichtiges Tun

    Viele haben in diesen Wochen sicher in Haus und Garten gearbeitet, den beginnenden Frühling dabei beobachtet und mit Staunen festgestellt, wie all das, was im Winter unter der Erde und in den Pflanzen verborgen war, nun aufsprießt und wie selbstverständlich wächst. Die Osterglocken und Tulpen kommen aus dem Boden, die Hortensien und Bäume schlagen aus, ja auch das Unkraut an Wegrändern und zwischen den Steinen, um das man sich nun fünf Monate nicht kümmern musste, sprießt wieder munter vor sich hin. 

    Bei diesen Beschäftigungen meditiere ich oft über den Satz „Geduldig wartend überdauert das Unkraut des Menschen nichtiges Tun“, den ich einmal an einer Parkbank entdeckte. In Gedanken überlege ich, wie mein Garten und Gelände wohl aussähe, würde ich dem „Unkraut“ keinen Einhalt gebieten. Dann kommt mir in den Sinn, dass es eigentlich überhaupt kein „Unkraut“, sondern nur Wildkraut gibt und viele „unliebsame Pflänzchen“ sogar medizinisch wertvoll und essbar sind. Was würden meine Nachbarn sagen, wenn ich die Brennnesseln, Giersch und Löwenzahn, Gänseblümchen und Disteln weiter munter vor sich her wachsen ließe? Warum dämme ich mit meinem „nichtigen Tun“ eigentlich den Wuchs all dieser von Gott geschaffenen Pracht ein? Sollte ich nicht froh sein, dass die Natur sich so oft unserm nichtigen Tun widersetzt und einfach da aufblüht, wo sie will? Wenn sich auch meine Nachbarn sicher nicht freuen, die Bienen und Insekten wären froh darüber.

    Viel Geduld wird uns in diesen Wochen abverlangt, viel denken wir darüber nach, welchen Sinn die ein oder andere Beschäftigung wirklich macht, viel wird diskutiert über Freiheitsbeschränkungen und Notwendigkeiten …

    Vielleicht kann das Beispiel des Unkrauts uns ein wenig mehr Gelassenheit und Geduld in dieser für uns alle nicht einfachen Situation geben.


    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 01. Mai

    Heute ist der 1. Mai; Feiertag - dazu noch ein Freitag. Das bedeutet, ein langes Wochenende steht an. Was könnte man da nicht alles machen, was haben wir nicht schon Pläne geschmiedet, das lange Wochenende zu füllen. Kurzurlaube, Wanderung mit Freunden, Besuch von Volksfesten und Vereinsfeiern, Besuch des Gülser Blütenfestes usw.   aber alles ist abgesagt. In diesem Jahr wird das erste Mai Wochenende ruhiger und beschaulicher verlaufen. Wir können uns aber trotzdem an vielen Dingen erfreuen, wenn wir genau hinschauen. Die Natur blüht in ganzer Farbenpracht und die Sonne erwärmt uns von früh bis spät. Schauen wir nicht nur auf das was abgesagt ist, sondern auf das was noch ist und auf das wir uns freuen können. Vieles ist abgesagt aber:

    Sonne hat nicht abgesagt.

    Frühling hat nicht abgesagt.

    Beziehungen sind nicht abgesagt.

    Lesen ist nicht abgesagt.

    Musik ist nicht abgesagt.

    Gespräch ist nicht abgesagt.

    Hoffnung ist nicht abgesagt.

    Segen ist nicht abgesagt.

    Beten ist nicht abgesagt.

     

    Herbert Lucas, Pfarrer

  • 30. April

    Die Schale der Dankbarkeit

    In den letzten Wochen, während der Coronakrise, habe ich eine Idee aufgegriffen, die vor einigen Jahren einmal in meinem Adventskalender stand: Die Schale der Dankbarkeit. Der Gedanke, der dahintersteckt: Oft erleben wir schöne Momente in unserem Leben, die unser Leben bereichern und die wir doch so schnell in unserem Alltagsgeschehen wieder vergessen. In einer kurzen Notiz werden diese Erlebnisse festgehalten und in eine Schale gelegt. Am Jahresende können alle Zettel noch einmal gelesen werden und so gehen die oftmals kleinen Erlebnisse des Alltags nicht verloren, sondern können dankbar erinnert werden. 

    Nun habe ich diese Idee etwas erweitert. Wenn ich an einem Tag etwas Schönes erlebe, dann schreibe ich es auf. Aber auch, was mich nachdenklich macht, welche Fragen mir kommen, Hinweise auf gute Artikel, die ich gelesen habe… Manchmal sind es auch kleine Ausschnitte aus Begegnungen und Gesprächen, die sich bei meinen fast täglichen Spaziergängen ergeben haben.

    Ich wünsche mir und hoffe, dass das, was ich nun in dieser Krisenzeit erlebe, auch dann, wenn das Leben wieder „etwas normaler“ weitergeht, nicht verloren geht. Sowohl das, was ich an guten Erfahrungen sammle aber auch das, was an Fragen an das Leben aufgeworfen wird und das bisher Normale hinterfragt. Einfach in die „Normalität“ zurück wird es nicht geben.

    „Prüft alles und das Gute behaltet“, so schreibt der Apostel Paulus im ersten Thessalonicherbrief.
     

    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 29. April

    Netzfund dieser Tage auf Instagram (www.instagram.com/lieblingskollegen):

    "Während du singst, ist der Bereich in deinem Gehirn blockiert, der Angst auslöst. Du kannst also nicht gleichzeitig singen und Angst haben..."

    Dazu ein Gedicht:

    singen

    öffnet mein herz

    es erklingt die weise

    von erbarmen, liebe und glück

    leben

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 28. April

    Denn das Brot, das Gott gibt, 
    kommt vom Himmel herab 
    und gibt der Welt das Leben. (Joh 6,33)

    Ein Satz aus dem heutigen Tagesevangelium.
    Das Brot, das Gott gibt … es kommt vom Himmel herab. 
    Greifbar erfahrbar wird das in der Feier der Eucharistie. 
    Hier ist Christus unter uns gegenwärtig. 
    um der Welt das Leben zu geben.

    Wo wir als Christen „Communio“ erfahren,
    das Brot miteinander teilen,
    da wird Gottes Liebe für uns erfahrbar.
    Und drängt dazu, diese Liebe weiterzugeben,
    Lebensspender zu sein für unser Umfeld.

    Diesen Quell des Lebens vermissen viele Menschen sehr.
    Deshalb ist es gut, 
    dass wir bald wieder miteinander Eucharistie feiern können.
    Und gerade jetzt, 
    wo wir hungern und dürsten nach der Nähe zu den Mitmenschen,
    die Worte Jesu zu hören: 

    Ich bin das Brot des Lebens; 
    wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, 
    und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. (Joh 6,35)


    Michael Frevel, Pfarrer

  • 27. April

    Liebe Mitmenschen,

    im Ruf zum Evangelium am Montag der 3. Osterwoche heißt es:

    „Halleluja. Halleluja.
    Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
    sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
    Halleluja." (vgl. Mt 4,4b)

    In dem sich an den Ruf anschließenden Evangelium wird genauer hin erklärt was damit gemeint ist, wenn es heißt: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn Euch geben wird.“

    Eine große Anzahl von Menschen sind nach den gelockerten Ausgangsbeschränkungen zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in der Fußgängerzone in Koblenz zum Einkaufen gewesen.  Auf vieles musste in den letzten Wochen gezwungenermaßen verzichtet werden.

    Außer Lebensmitteln und Hygieneartikel gibt ja noch viele andere schöne Dinge die die Herzen der Menschen höherschlagen lassen. Es sind die Dinge des Konsums die wir alle kennen. 

    Ich weiß nicht wie es Ihnen damit geht, aber ich hatte das Gefühl, dass es gar nicht so viel war, auf das ich habe verzichten müssen. Es stellt sich mir die Frage und Ihnen vielleicht auch, was es im Leben wirklich braucht um Glücklich zu sein? 

    Mit den Worten des Evangeliums gesprochen besteht das wahre Leben nicht darin alles Besitzen, Konsumieren und Erreichen zu müssen um satt zu werden, sondern darin sich allein vom Wort Jesu beschenken zu lassen. 

    Gemeint ist damit, liebe Mitmenschen, der Glaube. 

    Alfred Delp sagte einmal: „Brot ist wichtig, die Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten ist die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“ 

    Liebe Mitmenschen,

    diese Einsicht ist nichts Neues und Sie ist auch keine abschließende Antwort auf die gegenwärtigen Nöte so vieler Menschen. Sie macht jedoch bewusst, dass es jenseits unserer in vielen Bereichen profanen Welt mit Ihren kleinen und großen Problemen noch eine Wirklichkeit gibt, die es sich lohnt zu entdecken. 


    Roman Fries SAC, Pfarrer

  • 25. April

    Wie lautet die Frage?   

    Es gibt ein geflügeltes Wort, das besagt: „In den Kirchen bekommst du viele Antworten auf Fragen, die du niemals gestellt hast!“ Drehen wir doch einmal den Spieß um: „Wenn GOTT die Antwort ist, wie lautet dann meine ganz persönliche Frage?“


    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 24. April

    „Die Stunden machen kleine Schritte
    und heben ihre Füße kaum.
    Die Langeweile macht Visite.
    Und drüben, auf des Marktes Mitte
    schnarcht leise der Kastanienbaum.“ 

    So beschreibt Erich Kästner in seiner „Lyrischen Hausapotheke“ den langweiligen Sonntagmorgen in einer Kleinstadt. Das kommt vermutlich dem Gefühl vieler nahe in der jetzigen Zeit. Die auferlegten Kontaktsperren wecken innere Kräfte und begünstigen Schwächen, bringen Gutes und Ungutes hervor; beides liegt im Menschlichen ja nah beieinander. Ungewohntes Nachbarschaftsengagement, große Hilfen im Kleinen, kreative  Wege aufeinander zu auf der einen Seite – Ideenmangel, Erstarrung, Überforderung und sogar häusliche Gewalt auf der anderen. Je länger die Abstandsregelungen gelten, desto stärker wird die Geduld aller auf die Probe gestellt. Wie nähren wir sie, wie halten wir sie am Leben? Vielleicht zwei Tipps: Zuneigung und Humor. Zuneigung in sich in Erinnerung rufen und dadurch wieder aktivieren, ist nicht schwer. Dabei helfen Blicke in die Familien- und Liebesgeschichte mit Hilfe von Fotos, Briefen und kleinen Geschichten guter, gemeinsamer Erfahrungen. Humor lässt aufatmen und appelliert gleichzeitig an das Veränderungspotential, das in uns schlummert und das wir brauchen und einsetzen sollten, sofort nach dieser Krise – nein, am besten schon jetzt. Ein Satz aus diesem kleinen Buch von Kästner als Wunsch an Sie: 

    „Ja, die Bösen und Beschränkten
    sind die Meisten und die Stärkern.
    Aber spiel nicht den Gekränkten,
    bleib am Leben, sie zu ärgern!“ 


    Jutta Lehnert, Pastoralreferentin 

    (Texte aus: Erich Kästner, Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke, dtv-Taschenbuch 1988)

  • 23. April

     

    Wer singt, betet doppelt (Augustinus)

    Schon immer hat mir dieser Gedanke imponiert und ich habe verspürt, wieviel Freude ich am gemeinsamen Singen habe und wie dicht dann die Gebetsatmosphäre ist. Gemeinsam danken, loben, bitten, trauern, das sind für mich von Jugend an Momente, in denen ich Gottes Gegenwart spüre.

    Wie schmerzlich war demgegenüber das Vermissen dieser guten Tradition rund um die Kar- und Ostertage und wie „bruchstückhaft“ waren die versuchten Alternativen von „Trauermette als Videokonferenz“ oder „Morgenlaudes als Telefonschaltung“. 

    Ich freue mich wieder auf die Zeit, wo wir in unsern Kirchen oder Gemeinderäumen miteinander singen dürfen, denn „Wenn ein Mensch singt, ist es seinem Gehirn unmöglich, Angst zu produzieren. Der Bereich in unserm Gehirn, der dafür zuständig ist, wird durch singen blockiert.“ 

    Gemeinsames Singen ist also ein gutes Psychotherapeutikum und gut für unsere Seele. 


    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 22. April

    Wir stehen zurzeit nicht nur inmitten der Corona Krise, sondern wir stehen auch noch mitten in der österlichen Zeit. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden, das feiern die Christen in diesen Tagen. Im Johannes Evangelium wird berichtet, wie ein Jünger von Jesus zum Grab Jesu eilt und dort eine Begegnung mit dem Auferstandenen hat der zu ihm sagt:

    „Berühre mich nicht, halte mich nicht fest.“ 

    In diesen Tagen bekommt dieser Satz eine ganz neue Bedeutung. Wir sollen uns zurzeit nicht berühren, nicht festhalten oder umarmen, damit die Übertragung des Corona Virus keine Chance hat. Das fällt uns allen schwer, weil wir es doch gewohnt sind, lieben Menschen nahe zu sein und Freunde zu umarmen. Es kommen aber auch wieder andere Zeiten wie wir es auch in den österlichen Evangelien nachlesen können. Jesus der Auferstandene kommt immer wieder in die Mitte seiner Freunde, ist ihnen damit sehr nahe und zu Thomas sagt er ausdrücklich: „Streck deine Finger aus, hier sind meine Hände, streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite.“ Auch für uns kommen wieder Zeiten, in denen wir uns ohne Angst berühren können. Jesus ist seinen Freunden damals nahe gewesen, er ist uns auch heute in schwerer Zeit nahe. 


    Herbert Lucas, Pfarrer

  • 21. April

    Hoffnung ! ?

    In seiner Ansprache zum Segen „Urbi et Orbi“ hat Papst Franziskus am Ostersonntag darüber gesprochen, dass der auferstandene und der gekreuzigte Jesu derselbe sei – nicht zwei verschiedene. Denn auch nach seiner Auferstehung trug er noch die Wunden seines Martyriums an seinem Körper. Und dann sagte Papst Franziskus in seiner Ansprache etwas, das mich über die gesamte Osterwoche hindurch begleitet hat. Er sprach nämlich davon, dass die noch offenen Wunden des Auferstandenen zu offenen Luken der Hoffnung geworden sind. Genau dieses Bild hat mich gepackt!

    Die biblischen Texte der Osterzeit erzählen uns immer wieder davon, wie der auferstandene Jesus seinen Jüngern erschienen ist. Die wohl bekannteste Erzählung hierbei bildet der Text aus dem Johannesevangelium, in dem Jesus dem Thomas erscheint, der nur dann an die Auferstehung Jesu glaubt, wenn er seine Finger in seine Wunden legen kann. All diesen Texten ist gemeinsam, dass sie bezeugen, dass die Auferstehung Wunden nicht verschwinden lässt, sondern die Wunden stattdessen zum gekreuzigten und auferstandenen Christus dazugehören. Doch geht eine Veränderung der Bedeutung der Wundmale vom Tod zur Auferstehung einher: Waren die Wunden an Karfreitag noch Zeichen des Leidens, so wandeln sie sich zu Ostern hin zu Zeichen der Hoffnung. Hoffnung, dass selbst aus dem tiefsten Tal des Todes wieder neues Leben erwachsen kann.

    Mit diesem Gedanken wünsche ich mir, dass auch die Wunden dieser Zeit durch Verzicht und Verlust zu offenen Luken der Hoffnung werden. Denn wenn wir die Botschaft von Ostern ernst nehmen, dann ist uns die Hoffnung geschenkt, dass aus den schmerzenden Wunden wieder Leben wird. Doch es liegt an uns, ob wir die Hoffnung haben, durch die wir – gleich einer offenen Luke –  neues Leben erahnen.


    Jonas Staudt, Diakon

  • 20. April

    Die Überwindung von Fast Food - miteinander essen und Mahl halten

    In der Ernährungsberatung gibt es schon länger die Unterscheidung zwischen Nahrungsmitteln und Lebensmitteln – zu den erstgenannten gehören viele Dinge, die wir als Fertigprodukte kaufen können und die auch irgendwie satt machen, die aber keine echten Vitalstoffe mehr enthalten.
    Mir scheint, wir sind auch für unsere Gottesdienste wieder neu auf der Suche nach einer „vitalstoffreichen Kost“ – im Wort und im Mahl. 


    Monika Killian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 18. April

    Auch Corona ist politisch

     

     

    Gelegentlich lässt sich der Eindruck gewinnen, Corona sei ‚von oben‘ über die Welt hereingebrochen. Wie auch immer das Virus entstanden ist, verbreitet hat es sich durch das Reisen der globalen Eliten. Nach medico international ist es kein Zufall, dass Norditalien ein  Brückenkopf seiner Verbreitung wurde, sind doch „die Lombardei und die Toskana ... seit den 1990er Jahren die verlängerte Werkbank der chinesischen Textil- und Lederindustrie, wo Chinesen zu Hungerlöhnen schuften…“

     

    In Europa trifft es auf zusammen gesparte Gesundheitssysteme. Italien waren Einsparungen aufgezwungen wurden. Es breitet sich aus in Ländern, in denen mit dem Zerfall von Staaten auch die beschränkten Gesundheitssysteme zerfallen, in verarmten Regionen, in denen durch Leben auf engem Raum kein Abstand gehalten werden kann und das Wasser zum Waschen der Hände fehlt, in den Flüchtlingslagern...

     

    In den Osterbotschaften der Kirchen fiel manches recht selbstgefällig aus, mit engem Blick auf die ausgefallenen Gottesdienste und mit Lobpreis auf den digitalen Ersatz. Eine Kirche auf der Höhe der Zeit? Das wäre sie erst, wenn sie auf die Höhe der globalen Leidenszeit käme. Der Auferstandene könnte den Weg weisen, schließlich trägt er auch nach Ostern noch die Wundmale seiner Kreuzigung, und sein Schrei am Kreuz lässt sich im Osterjubel nicht ersticken, geht doch die ‚Herrschaft der Herren‘ auch nach Ostern weiter. Gestärkt wird die Sendung, der Unmenschlichkeit Menschlichkeit, dem Einverständnis Kritik entgegen zu setzten – getragen von einem widerständigen ‚Doch‘: Ich habe doch gehört, dass Gott ein Gott der Befreiung ist, dass er Jesus auferweckt und damit seinen Aufstand gegen den Tod bestätigt hat.

    Herbert Böttcher, Pastoralreferent i. R.

  • 17. April

    das buch der bücher

    ein altes buch

    ich finde kostbares darin

    gehütet wie ein schatz

    menschen berührt und bewegt

    über die zeiten hinweg

    ich finde kostbares darin

    gehütet wie ein schatz

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 16. April

    Verehrte Mitmenschen,

    als Kommunionvers in der Heiligen Messe spricht der Priester:

    „Volk Gottes, verkünde die großen Taten des Herrn. Er hat euch aus der Finsternis herausgeführt in sein wunderbares Licht. Halleluja.“ (vgl. 1 Petr 2,9)

    In meiner täglichen Arbeit am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz geht es genau darum: angepasst an die jeweilige persönliche Situation eines Menschen ein Hoffnungszeichen der Nähe Gottes auszusenden. Immer in dem Wissen darum, im Letzten den konkreten Menschen mit seiner Lebensbiographie nie gänzlich verstehen zu können.  Das macht meinen Dienst hier so spannend. Individuelle Begegnung und Begleitung, die Wege aus der Dunkelheit zum Licht anbietet.  Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus haben genau dies erfahren als sich Jesus zu ihnen gesellte.  Sie haben in der Begegnung mit Jesus die Erfahrung gemacht, die wir im Gottesloblied der Osternacht besungen haben: 

    „O Licht der wunderbaren Nacht, uns herrlich aufgegangen, Licht, das Erlösung uns gebracht, da wir vom Tod umfangen, du Funke aus des Grabesstein, du Morgenstern, du Gnadenschein, der Wahrheit Licht und Leben.“
     

    Roman Fries SAC, Pfarrer

  • 15. April

    An diesem Osterfest erinnere ich mich an einen Gedanken aus einer Osterpredigt im Jahr 2012. Die Predigt begann sinngemäß mit dem Satz „Eigentlich ist Ostern ein leises Fest“. Dieser Gedanke berührte mich vor acht Jahren zutiefst, war doch nur wenige Tage vorher mein Mann verstorben. Da tat es gut, Ostern als leises Fest zu begehen, nicht triumphalistisch, lauthals und siegessicher.  Das hätte ich in meinem Schmerz kaum ertragen können. Sondern eher nachdenklich, suchend, fragend, erschrocken, mehr ahnend als wissend … So werden auch Jesu Freunde und Freundinnen in den Ostererzählungen beschrieben. Und trotzdem sind sie offen für die zarte Hoffnung auf Leben, offen für die unfassbare Erfahrung von Auferstehung, offen für den Glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort ist und dass die Liebe und das Leben stärker sind als der Tod, dass die Zusage Gottes „Ich bin da“ auch durch den Tod hindurch gilt und trägt. Die Hoffnung ist leise und zart und trotzdem stark, widerstandsfähig und beharrlich. Sie weist in die Zukunft und eröffnet Türen zum Leben. Sie gibt Perspektiven, wo alles am Ende scheint. Hoffnung und Ostern sind das „trotzdem“.

    In einem Lied aus dem Gotteslob wird dies mit folgenden Worten ausgedrückt:

    Hoffen, wider alle Hoffnung,
    glauben, dass es dennoch weitergeht.
    Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich,
    damit die Welt auch morgen noch besteht.

    Und heute – Ostern 2020? Ostern ist ein leises Fest. Wieder rührt mich dieser Gedanke an. Wegen der Corona-Pandemie werden keine Gottesdienste in den Gemeinden gefeiert, kein feierliches und fröhliches Halleluja, kein Chor und kein gemeinsamer Gesang, keine Familienbesuche, kein fröhliches Feiern mit lieben Menschen… Ein ruhiges und nachdenkliches Osterfest, in Gedanken und Gebeten auch verbunden mit den Menschen, die in großer Angst und Sorge sind, deren Existenz bedroht ist, mit den vielen bereits Verstorbenen und denen, die um sie trauern. 

    So feiere ich Ostern 2020 als ein leises Fest, erschrocken und berührt von Leid und Tod, aber auch aufmerksam und hellhörig für die Momente voller Hoffnung und Leben und dem Vertrauen, dass der Auferstandenen auch in diesen Tagen auf uns zukommt und sich uns zuwendet. Und so versuche ich meinen Blick und mein Herz für die kleinen Auferstehungserfahrungen im Hier und Heute zu öffnen. Es sind meist die leisen und unspektakulären menschlichen Handlungen und Gesten, die Menschen aufleben und sich neu aufrichten lassen.

    Ostern ist ein leises Fest, aber kraftvoll.


    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 14. April

    Es ist gut, dass wir nicht alle auf einer Seite stehen …


    Das gilt in jeder Hinsicht:

    es ist gut, dass es verschiedene Berufe und Berufungen gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Meinungen und Interpretationen gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Talente und Fähigkeiten gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Geistesgaben und handwerkliches Geschick gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Lebenserfahrungen und Lebensentwürfe gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Konfliktstrategien und Krisenbewältigungen gibt;

    es ist gut, dass es verschiedene Charaktere und Glaubenswahrheiten gibt;

    es ist gut, dass wir nicht alle auf einer Seite stehen 

    und damit das gemeinsame Welt-Boot, in dem wir uns befinden,

    nicht zum Umkippen bringen.

    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 13. April

    Heute am Ostermontag steht eine österliche Geschichte aus der Bibel im Vordergrund. Es ist der sogenannte Emmaus Gang. Zwei Jünger von Jesus gehen ihren Weg von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Sie sind traurig, weil ihr Freund Jesus am Kreuz gestorben ist. Dass er von den Toten auferstanden ist haben sie noch nicht realisiert. Da gesellt sich Jesus als neuer Wegbegleiter zu ihnen und gibt ihnen im Gespräch neuen Mut, Kraft und Hoffnung. Erst am Ende des Gespräches merken die Jünger, dass durch diesen neuen Wegbegleiter Jesus zu ihnen gesprochen hat. 

    In diesen besonderen Tagen sind auch wir auf dem Weg; zwar in räumlicher Distanz, aber innerlich verbunden. Nutzen auch wir die verschiedenen Möglichkeiten in diesen Tagen miteinander verbunden zu bleiben, damit wir uns auch Mut und Hoffnung gegenseitig geben können. Gehen wir diesen österlichen Weg in diesen Tagen, bleiben wir in Verbindung, dann wird alles gut. 


    Herbert Lucas, Pfarrer

  • 11. April

     

     

     

    Grabesruhe

    Was wie Stillstand

    aussieht

    angesichts des Todes

    ist Andacht -

    aushalten

    was ist

    und

    warten

    was wird.

     

     

     

    Einen Tag nach Karfreitag und einen Tag vor Ostersonntag, am Tag dazwischen, herrscht „Grabesruhe“. Das Leiden Jesu ist durchlitten und seine Auferstehung noch nicht greifbar. Es gibt noch keinen Grund zum Feiern. Sehnlichst wünschte ich mir, es wäre schon anders. Aber noch haben wir Karsamstag.

     

    Monika Kilian (Pasorale Mitarbeiterin)

  • 10. April - Karfreitag

    Als ich vor Jahren Pfarrer in Monreal in der Eifel war, lernte ich den Künstler Fritz Meurer kennen, der in einem kleinen Häuschen oberhalb des Ortes wohnte und dort Kunst aus dem herstellte, was er gerade fand. Alte Dinge, das was die meisten Menschen als Schrott bezeichnen würden, wurden unter seinen Händen zu kleinen und großen Kunstobjekten. Sein ganzes Haus und das Grundstück darum herum waren voll davon. Ich war fasziniert von seinem Schaffen und er schenkte mir dieses kleine Kreuz, das seither in meiner Wohnung hängt.

    Eine Kreuzigungsszene. Aber nicht das, was wir normalerweise in unseren Wohnungen finden. Das Kreuz besteht aus einem Wirrwarr von alten, rostigen Drähten. Die Hände von Christus sind umschlungen und auch seine Beine werden von einer Drahtschlinge gehalten. Er ist gefangen in diesem Drahtgewirr.

    Unser Alltag ist extrem verlangsamt an diesem Karfreitag, viele unsere Aktivitäten sind gestoppt. Da lohnt es sich, einmal zu schauen:

    Wo sind denn die rostigen Drähte in meinem Leben? Routinen, Gewohnheiten, Notwendigkeiten, die meinen Tagesablauf, mein Leben bestimmen – die ich aber eigentlich gar nicht vermisse. Wo ich froh bin, dass sie im Moment nicht so dominant daherkommen. In die ich verstrickt bin und aus denen ich oft genug gar nicht heraus komme.

    Und wo gibt etwas, das im Alltagsgeschäft oft untergegangen ist. Von dem ich aber jetzt spüre, dass es wichtig sind. Dass genau dies Halt und Anker ist in dieser Situation. Und das ich gerne erhalten und stärken möchte – auch über die Zeit der Corona-Krise hinaus. 

    An Karfreitag gedenken wir des Todes Jesu – eines Todes, der nicht das Ende bedeutet, sondern den Anfang neuen Lebens, österlichen Lebens. Da lohnt es sich, auch im eigenen Leben nachzuschauen: Was kann, darf, soll denn sterben in meinem Leben, damit Platz wird für Neues? 

    Das ist Ostern: Aus dem Tod wächst neues Leben.

    Michael Frevel, Pfarrer

  • 09. April - Abendimpuls

    Kreuz = Endpunkt?

    Morgen, am Karfreitag, erinnern wir uns daran, dass vor 2000 Jahren einer unschuldig am Kreuz hingerichtet wurde: Jesus Christus. Viele leiden heute unter ihren Kreuzen. Gleichzeitig leiden wir alle unter einem Kreuz, das auf  uns allen lastet: das Corona-Virus mit all seinen Auswirkungen. Ein Kreuz, das wir uns nicht ausgesucht haben, ein Kreuz, das uns vielfältig Angst macht – Angst um unsere Gesundheit, um unseren Arbeitsplatz, um unser tägliches Auskommen, um die wirtschaftliche  Stabilität, - bei älteren Menschen die Angst um wachsende Einsamkeit und die Angst medizinisch nicht mehr ausreichend versorgt zu werden, - bei jüngeren Menschen die Angst um ihre Ausbildung oder ihr Studium.  

    Viele Ängste und Sorgen quälen also zur Zeit die meisten Menschen. Sie sind verunsichert, weil das bisher so sichere und so stabil erscheinende Leben plötzlich ins Wanken gerät. Eine tiefgreifende Erschütterung erfaßt die Menschen; denn da ist etwas, was nicht greifbar ist und trotzdem so bedrohlich.  Wir erfahren plötzlich, wie zerbrechlich, wie gefährdet unser Leben und unsere Lebenssituation ist. Also etwas, was uns so leicht aus dem Blick gerät in einer Welt, in der alles machbar, alles regelbar und alles möglich zu sein scheint.

    Wir begehen morgen den Karfreitag; da geht es um einen, der sein Kreuz tragen mußte, der am Kreuz hingerichtet wurde. Er hat sein Kreuz nicht gesucht. Er hat in Angst vor seinem Leiden Blut geschwitzt. Er hat in seiner Angst zu Gott aufgeschrieen: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Aber etwas hat ihn in allem Leid getragen: das Vertrauen und die Hoffnung, dass Gott in allen Situationen sein und unser menschliches Leben begleitet und stärkt, weil er unser Heil will. Das bezeugt er, indem er den Gekreuzigten nicht im Tode läßt, sondern ihn auferweckt in unzerstörbares, ewiges Leben. In der letzten Strophe eines Gedichtes hat es die Benediktinerin Charis Doepgen so ausgedrückt:

    nach dem Kreuzweg
    nach dem Grab
    nach dem Ende
    aller Illusionen

    hat Gott das letzte Wort:
    Auferstehung.

    Es geht also um Aufstehen, um Aufatmen, um Hoffnung  erleben jetzt mitten in unserem Leben. Im Vertrauen auf diesen lebenspendenden Gott haben Menschen ihr Kreuz getragen und bewältigt und konnten für sich in ihrem Leben eine neue Zukunft sehen und darauf zugehen. Dieser Botschaft zu vertrauen, kann auch uns Mut machen und uns aufrichten, gerade jetzt.


    Helmut Kusche, Pfr.i.R.

  • 09. April

    WAS LEBEN ERHÄLT

    Seit Tagen und Wochen pflegen Ärzte und Krankenpfleger*innen mit großem, unermüdlichem Einsatz mit dem Coronna -Virus-infizierte, schwerstkranke  Menschen. Sie leisten dabei übermenschliche Arbeit bis an die Grenzen ihrer körperlichen Kräfte und trotz aller Schutzmaßnahmen mit einem hohen Risiko für ihr eigenes Leben. Vielfältig ist der Stress, unter dem sie leiden: die anstrengende körperliche Arbeit über das gewohnte Maß hinaus, die seelische Belastung im Ringen um die Schwerstkranken, die Erfahrung von Ohnmacht beim Tod  so vieler Menschen, die Sorge um die notwendigen gesundheitlichen Schutzmaßnahmen für sie selbst. 

    Sie setzen ihr  pflegerisches Engagement, ihre körperliche und seelische  Kraft, ihre fürsorgende Zuwendung – also ein Stück ihres Leben und ihrer Lebenskraft für die Schwerkranken ein, um deren Leben zu retten und ihre Gesundung zu ermöglichen. Sie werden zwar dafür bezahlt; aber vielmehr ist das Motiv für ihr Engagement entscheidend: Sie wollen Menschen, die in höchster Lebensgefahr sind, helfen, sie aufrichten, deren Leben erhalten.

    Hier wird das Wort Jesu Wirklichkeit: Eine größere Liebe hat niemand, als der, der sein Leben d.h. ein Stück seiner Lebenskraft, hingibt für seine Freunde/ seine Mitmenschen“. Unsere Dankbarkeit, unsere Anerkennung und unser Lob ihnen gegenüber kann deswegen gar nicht groß genug sein. Und das nicht nur mit Worten, sondern auch – das ist eine Frage an die Politik und die Wirtschaft - mit einer angemessenen finanziellen Entlohnung.

    Liegt so gesehen in dem Engagement dieser Ärzte und Pflegekräfte nicht auch ein Vorbild und Ansporn dafür, wie wir im täglichen Miteinander umgehen sollen?


    Helmut Kusche, Pfr.i.R.

  • 08. April



    behütet sein

    auch in zeiten der leere

    innen wie außen

    behütet sein

    auf dem weg des findens

    was DU bereithälst

    behütet sein

    auch in zeiten der leere

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 07. April

    Achtung, Jesus kommt!

    Vielleicht war Jesus selbst davon überrascht, wie er an Palmsonntag in Jerusalem empfangen wurde. Und wenn ja, dann war er damit wohl sicher nicht alleine: auch die Pharisäer, die Hohepriester, die Regierung und die Sicherheitskräfte von Jerusalem waren wohl überrascht, von welchem Jubel begleitet, Jesus in Jerusalem einzog.

    Doch Jesus eilte ein Ruf voraus – er zog Menschen in seinen Bann. Er hatte Menschen geheilt, Tote auferweckt und verkündete in seiner Botschaft die Liebe Gottes. So setzten viele ihre Hoffnungen auf ihn und sahen in ihm den Messias, der das Reich des Königs David wieder errichten, die Besatzer aus dem Land jagen und dafür sorgen würde, dass das Gesetz des Mose wieder überall im Land zur Geltung komme. 

    Die Sorge der Regierung und der Sicherheitskräfte in Jerusalem vor Tumulten und Aufständen ist daher nicht allzu verwunderlich. Denn durch das bevorstehende Pascha-Fest, zu dem tausende Pilger aus dem ganzen Land nach Jerusalem und zum Tempel zogen, war die Lage bereits heikel genug. Der Friede zwischen den römischen Besatzern und der Stadtregierung war eh schon brüchig. Schon der kleinste Tropfen hätte das Fass zum überlaufen gebracht, damit die Römer mit brutaler Gewalt gegen jegliche Unruhen vorgingen. 

    Doch Jesu Absichten waren andere. Schon der Esel, auf dem Er in Jerusalem einzog, hätte es zeigen können. Er rief eben nicht zum Umsturz – zum Steuer-Boykott – auf und machte keine Anstalten gegen die römischen Besatzer, sondern ließ die Begeisterung um und für ihn verpuffen.

    Doch die Lage war angespannt. Täglich, ja stündlich hätte die Stimmung kippen und die Römer sich zum Eingreifen gezwungen fühlen können. Es musste also eine Lösung her: „Es ist besser, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht“ (vgl. Joh 11,50). Wie es weiter ging, wissen wir … Jesus wurde verhaftet, verurteilt und hingerichtet.

    In diesen Tagen stehen wir inmitten des „Hosianna!“ beim Einzug in Jerusalem an Palmsonntag und dem „Kreuzige ihn!“ des Karfreitags. Es ist schon erstaunlich, dass das Volk, welches ihm vor wenigen Tagen noch zujubelte, in wenigen Tagen seinen Tod fordern wird. Gut, die Regierung hatte nachgeholfen und bezahlte Schreihälse, um gegen ihn Stimmung zu machen. Aber es braucht scheinbar nicht viel, um eine große Menschenmenge in die richtige Richtung zu lenken. 

    Freud und Leid liegen in dieser Woche, der Karwoche, besonders dicht beisammen. So wie auch die Hauptakteure von Palmsonntag und Karfreitag besonders dicht beisammen sind: Jesus und das Volk – Er ist es, der vom Volk bejubelt wird und das Volk ist es auch, das seinen Tod am Kreuz fordert. Doch beide Male bleibt „das Volk“ seltsam anonym, nur eine gesichtslose Menge. 

    Und heute? Auch heute scheint es, als würden wir einer anonymen Menge unserer Gesellschaft begegnen, die Jesus ablehnen. Und künftig? Ja, künftig droht die Gefahr, dass auch jene Christen, die sich zu Christus bekennen und ihm zujubeln, in den immer größer werdenden pastoralen Räumen zu einem anonymen Volk untereinander werden. Doch bevor wir in solch eine denkbare Zukunft schauen, gilt es doch, bereits im Heute sich zu fragen, in welche der beiden Mengen Ich mein Gesicht setzen möchte. Freue ich mich über Ihn, sein Kommen und seine Gegenwart in meinem Leben, oder sind meine Hoffnungen und Erwartungen an Ihn bereits so enttäuscht wurden, dass ich Ihn ablehne und seinen Tod fordere? 

    Die Antwort dieser Frage hängt dabei stark vom je eigenen Bild ab, das ich von Jesus habe. Denn in meinem Bild von Jesus sind stets auch meine Wünsche und Sehnsüchte eingeschlossen. Mein Bild von Jesus ist ohne mich nicht denkbar. Es gibt kein neutrales Bild von Jesus. Doch wie sieht es aus? Bin ich noch offen für Veränderungen und Überraschungen meines Bildes von Jesus, oder glaube ich, bereits alles über Ihn zu wissen und Ihn – buchstäblich – schon festgenagelt zu haben? 

    Für die österlichen Tage wünsche ich Ihnen die Erfahrung einer Christusbegegnung, die Sie überraschen wird und Sie neu ermutigt, aus der anonymen Menge, ganz gleich aus welcher, herauszutreten und zu rufen: „Hosanna in der Höhe!“

    Jonas Staudt, Diakon

  • 06. April

    Liebe Mitmenschen,

    Im Tagesgebet der Heiligen Messe am Montag der Karwoche beten wir:
    „Allmächtiger Gott, in unserer Schwachheit versagen wir und sind anfällig für das Böse. Schau hin auf das Leiden deines Sohnes, richte uns wieder auf und schenke uns neues Leben. Darum bitten wird durch ihn, Jesus Christus deinen Sohn unseren Herrn und Gott der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit, Amen.“ 

    Liebe Mitmenschen,

    wer in diesen Tagen schwach ist, sich nicht an Regeln und Vorschriften im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hält, der wird anfällig für das Böse. 

    Darf dieser erste Satz des heutigen Tagesgebetes so gedeutet werden?  

    In Sachen des Glaubens kennen wir die Deutung all zugut. Wer die Gebote Gottes nicht hält und den Vorschriften und Weisungen der Kirche nicht folgt, der wird anfällig für das Böse. 

    Als Richtschnur der Christen in den tagesaktuellen Fragen unserer Zeit, ist uns das Lebenszeugnis Jesus Christus vor Augen gestellt. Im Blick auf den Leidensweg Christi, sollen Menschen Mut und Kraft gewinnen sich der Sündhaftigkeit des eigenen Lebens bewusst zu werden und sich den daraus resultierenden Versuchungen entgegenstellen. 

    Darum beten wir: Richte uns wieder auf und schenke uns neues Leben. 

    Schenke uns o Herr ein Leben, ein neues Leben, dass vor Dir bestehen kann und von tätiger Nächstenliebe durchdrungen ist. 

    Das heißt heute: Komm mir nicht zu nahe, Bleib auf Abstand, Geh mir aus dem Weg, bleib Zuhause.

    Roman Fries SAC

  • 04. April

    Karwoche: Die Botschaft vom solidarischen Gott

    Wir leben im Moment in einer Ausnahmesituation. Das Coronavirus hat unsere Gesellschaft fest im Griff und wirbelt unser aller Leben gehörig durcheinander. Nun gehen wir auf Ostern zu und die Karwoche liegt unmittelbar vor uns. Für viele Menschen ist es sicherlich besonders schmerzlich, dass wir uns auch an diesen zentralen christlichen Feiertagen nicht wie gewohnt zu Gottesdiensten versammeln können. Das hat es noch nie gegeben und ist dennoch in der konkreten Pandemie-Situation richtig und unvermeidlich. Doch sollte die zentrale Nachricht der Karwoche deshalb auch in diesem besonderen Jahr nicht untergehen: Die Botschaft vom solidarischen Gott. 

    Wir erinnern uns schließlich in der Karwoche der wohl dramatischsten Tage im Leben Jesu. Es beginnt mit dem Palmsonntag, dem Tag des feierlichen Einzugs in Jerusalem. Da haben die Menschen Jesus noch zugejubelt, ihn als Retter begrüßt. Doch bald schon schlug die Stimmung um. Von den Jubelrufen des Palmsonntags bis hin zum „Kreuzige ihn“ war es nur ein kurzer Weg. Selbst Jesu engste Freunde verleugneten ihn. So brachten die Menschen schließlich am Karfreitag den um, dem sie vor Kurzem noch begeistert zugejubelt hatten.

    Was Jesus hier im Zeitraffer widerfahren ist, das kennen wir oft auch aus unserem eigenen Leben. Vielleicht nicht ganz so dramatisch wie in den biblischen Erzählungen. Aber auch in unserem Leben gibt es die sonnigen Zeiten, in denen scheinbar alles glatt läuft. Wir sind anerkannt, haben viele Freunde, einen guten Job, Menschen die uns sagen wie toll wir sind. Und dann passiert irgendetwas, das die Koordinaten verschiebt: eine schwere Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, eine persönliche Notsituation, die uns den Menschen in unserer Umgebung entfremdet. Und plötzlich stehen wir allein da, „Freunde in der Not“ sind selten. Vielleicht wird sogar schlecht über uns geredet und wir werden angefeindet.

    Für mich ist da die Karwoche eine Art „Woche der Solidarität Gottes mit uns Menschen“. Als Christen glauben wir, dass Gott  selbst in Jesus all das Leid, das Menschen widerfahren kann bis hin zum Extremsten durchlebt und erlitten hat. Das kann uns neue Hoffnung und Kraft schenken, vielleicht gerade auch in diesen schwierigen Corona -Zeiten. Am Ende standen nämlich bei Jesus nicht Tod und Leid, sondern die Auferstehung. Wir sind immer wieder eingeladen zu glauben, dass das auch in unserem Leben so sein wird.

    Thomas Hüsch, Dechant

  • 03. April

    Die Normalität hat keinen Nachrichtenwert


    Oft hören wir in diesen Tagen die Frage: „Wann kehren wir endlich wieder zur Normalität zurück?“ Viele sind verunsichert, wie lange dieser Zustand des „Alles-ist-geschlossen“ und „Alles-ist-abgesagt“ noch anhält. Wie lange müssen wir uns noch mit diesem ungeplanten und nicht planbaren Tages- und Wochenablauf arrangieren? In einem Andenkenladen in Santiago de Compostela fand ich nach einer 14-tägigen Wanderung auf dem Jakobsweg die Spruchkarte „Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“ 
    Diese Tatsache anzunehmen, sich in Geduld mit allen Einschränkungen unserer Planbarkeit abzufinden, darauf zu hoffen, dass Plan B oder C auch möglich sein werden, darauf zu vertrauen, dass trotzdem alles gut ausgehen kann und alle Angst vor den ungewohnten Wegen letztlich unbegründet war, all das können wir in diesen Tagen der Zwangsisolation lernen. 

    Und dass es trotzdem ganz viel normales Leben und Alltägliches gibt, was diese Tage und Wochen der Ungewissheit durchzieht, auch diese Erfahrung könnte ein Geschenk sein. Vielleicht gelingt es uns, diese Krise auch als Chance zu sehen: als Chance, mit uns selbst Geduld zu haben, als Chance, einander anders zu begegnen als im Büro, in der Schule, in der Firma, bei Versammlungen, Sitzungen oder Gottesdiensten, als Chance, uns als Teil einer Weltkirche zu sehen, als Teil einer Weltgemeinschaft von Christen, Juden, Muslimen, Hinduisten, Buddhisten, …, die alle momentan gleichermaßen in ihren religiösen Alltagshandlungen eingeschränkt sind und dennoch Formen finden, ihren Glauben zu leben. 

    Auch wenn die Normalität keinen Nachrichtenwert hat, findet sie dennoch statt und will gewürdigt werden. Manchmal wachsen kleine Dinge im Verborgenen, denen wir im geschäftigen Getöse keine Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Vertrauen wir also darauf, dass auch Normalität und Alltag ihren Sinn haben und wir nicht ständig von einer Sensation zur nächsten, einem Event zum nächsten oder einer Schlagzeile zur nächsten hetzen müssen, sondern nun einfach die Gelegenheit haben, für die kleinen Freuden des Alltags dankbar zu sein: ein behagliches Zuhause, Menschen, mit denen wir uns verbunden wissen, Gesundheit, Nahrungsmittel und eine Umgebung, die momentan große Solidarität mit allen zeigt, denen es nicht so gut geht, die Hilfe benötigen und in den meisten Fällen auch erhalten.

    Alles kann gut werden, weil alles schon einmal gut war. Darauf vertraue ich und schaue ohne Angst in die Zukunft.

    Maria Kuhl, Gemeindereferentin

  • 02. April

    Glaubst du das?

    Glaubst du das? Eine Frage, die wir einander oft stellen. Wir möchten als Antwort Beweise, Tatsachen, damit wir glauben können. Ein biblischer Text erzählt uns, dass dieser Frage auch Martha begegnet. Denn nachdem Jesus ihr verheißt: „Dein Bruder, der tote Lazarus, wird auferstehen“, fragt er sie: „Glaubst du das?“. Ihre Antwort: Ja, Herr, ich glaube.

    In ihrer Antwort findet sich kein Bekenntnis, kein Glaubensdogma, das sie bekennt, keine Bitte um einen Beweis. In ihr drückt sich vielmehr großes Vertrauen aus, Vertrauen dem gegenüber, der ihr begegnet: Jesus Christus. 

    Für viele Menschen heute bedeutet „glauben“ das Kennen von Glaubenssätzen, Geboten, Bibelstellen, Dogmen. Aber „glauben“ heißt, „Ich vertrauen diesem Gott, den Jesus Christus verkündet hat. Ich vertraue ihm, dass er mein Leben trägt in den Höhen und Tiefen meines Lebens.“ So zeigen es viele Stellen der Bibel.

    Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat darum im Angesicht seiner ungerechten Hinrichtung eindrucksvoll gebetet:
    „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

    Angesichts unserer derzeitigen Situation der Corona-Krise mit vielen Ängsten und Sorgen könnte dieses Gebet wie ein Netz sein, das trägt.

    Helmut Kusche, Pfarrer i.R.

  • 01. April

    Eine Aufnahme aus der Bamberger Fußgängerzone, aufgenommen in meinem letzten Urlaub. Ich fand damals, dass dieses Bild sehr viel Aussagekraft hat. Über allem Konsum steht doch der eine, ohne den es letztlich nicht geht in dieser Welt. Er wurde Mensch, damit wir an seiner Gottheit teilhaben können. Seine Schöpfung lässt er nicht im Stich.

    Dass der Bildstock ausgerechnet über dem Schriftzug „New Yorker“ steht, hat mich im Blick auf die momentane Situation in dieser Weltstadt zu folgendem Gebet angeregt:

    Guter Gott,

    die Welt liegt in deiner Hand.

    Du hast sie erschaffen 

    durch dein Wort 

    und erlöst durch deinen Sohn.

    Durch ihn haben wir 

    das österliche Leben.

    Steh allen bei, 

    die mit dem Coronavirus kämpfen. Stärke die, die helfen wollen, 

    nimm die an die Hand, die leiden 

    und lass uns alle spüren, 

    dass du ein Freund des Lebens bist.

    Amen.


    Michael Frevel, Pfarrer

  • 31. März

    Morgen ist der 1. April. In normalen Zeiten würden viele von uns überlegen, wie sie Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen in den April schicken könnten. Ein kleiner Scherz, der andere kurz in Verwirrung bringt und dann durch ein „April, April“ aufgelöst wird.

    Heute steht vielen dafür verständlicherweise nicht der Sinn. Viele von uns sind in Sorge wie es weiter geht mit dem Virus, sind in Sorge wie es selber und mit den Familienangehörigen weitergeht, sind in Sorge um ihren Arbeitsplatz. Darüber hinaus sind wir weiter aufgefordert, räumliche Distanz zueinander zu halten. Um so wichtiger ist es miteinander telefonisch oder mit andern technischen Hilfsmitteln Kontakt zu halten und uns gegenseitig Mut zu machen.

    Dazu gehört auch ein Lachen oder dem anderen zuzulächeln. Vielleicht eine Möglichkeit, morgen den 1. April miteinander zu gestalten. Im Lukas Evangelium heißt es dazu „Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“. Geben wir uns also morgen durch ein gegenseitiges Lächeln Mut und hoffen auf ein baldiges Ende der Corona Krise. 

    Herbert Lucas, Pfarrer

  • 30. März

    Unser kirchliches Leben ist zur Zeit über weite Strecken lahmgelegt. Gottesdienste, Veranstaltungen und Aktionen sind abgesagt. Darunter fallen für mich zum Beispiel auch solche, die mit der Misereor-Fastenaktion in Verbindung stehen; zum Beispiel eine Solidaritätsbrot-Backaktion mit Kommunionkindern, Solidaritätsessen in Gemeinden, das gemeinsame Beten des Misereor-Kreuzweges mit Frauen der kfds oder mit Familien.

    „Gib Frieden“ so lautet das Leitwort der diesjährigen Misereor-Fastenaktion und lenkt den Blick auf Syrien und die umliegenden Länder.

    Im Gebet können sich Menschen verbinden, indem sie die Kreuzwegandachten übers Internet herunterladen und sie zuhause beten. Mancherorts werden dafür sogar bestimmte Zeiten verabredet.

    Darüber hinaus ist die finanzielle Unterstützung der Projekte in Syrien und den umliegenden Ländern dringend notwendig, weil sie einen wichtigen Beitrag leisten, ein friedliches Miteinander aufzubauen.

    Wir alle spüren in der Corona-Krise, wie wichtig und hoffnungsstiftend solidarisches Handeln ist. Möge unsere Solidarität  auch den Menschen in den rund 3300 Projekten in rund 95 Ländern gelten, die vom Hilfswerk Misereor unterstützt werden. Dann kann für Menschen ganz konkret erfahrbar werden, was der Titel der Kreuzwegandacht verheißt: „Uns grünt deine Hoffnung“.

    Birgit Rünz, Gemeindereferentin

  • 28. März

    Liebe Mitmenschen,

    es könnte alles so schön sein, wäre da nicht ...

    Die zurückliegende Woche war wettermäßig der Auftakt zu dem was wir heute feiern, den Beginn der Sommerzeit. Bisweilen trügerisch kam mir diese Woche vor. Die Sonne lachte vom Himmel trotz klirrender Kälte. Kurzweilige Begegnungen mit der Natur bestimmten für mich die vergangenen Tage am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. 

    Die Geschäfte sind geschlossen und wenige Menschen sehe ich auf meinen abendlichen Autofahrten von der Arbeitsstelle nach Hause. Wir haben als Gesellschaft als Kirche zurückgeschaltet in den ersten Gang. Viele verunsichert das, mich auch. Es hat so etwas von Wartemodus auf etwas, dass hoffentlich niemals eintritt. 

    Mir kommen Bilder in den Sinn. Bilder der Nachrichten aus Italien und Spanien.  Ich wische sie weg, will nicht daran denken und schalte das Radio an um mich abzulenken.


    Liebe Mitmenschen,

    wir feiern heute den Beginn der Sommerzeit und als Kirche „Mariensamstag“. Seit dem 9. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher ist der Samstag als der letzte Tag der Woche Maria geweiht.  Von Ostern her betrachtet sind Karfreitag und Karsamstag Tage des Todes und der Trauer. 

    So denke ich heute, trotz mancher hoffnungsvoller Zeichen in der Natur auch an Karsamstag. Ich denke an den Kreuzestod Jesu den wir als Christen aus unseren Kirchen und Kapellen heraus per Livestream begehen werden. In beängstigend vergleichbarer Weise ereilt in unseren Tagen vielen Menschen unschuldig der Tod. Wer steht ihnen bei? Wer kümmert sich um sie?


    Liebe Mitmenschen,

    es waren Maria und Johannes die unter dem Kreuz Jesu ausharrten, die Dabei blieben. Ist das nicht ein guter Vorsatz auch für uns in diesen Tagen? 

    dabeibleiben, aushalten, wachsam sein und im Gebet verbunden. 

    Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und die Gewissheit verbunden zu sein mit Maria zu der wir beten: Maria bitte für uns jetzt und an allen Tagen unseres Lebens. Amen 

    Roman Fries, Pfarrer

  • 27. März

    Soviel du brauchst ...

    Für diese Fastenzeit hatte ich mir eine kleine Lektüre vorgenommen. Das Büchlein „Soviel du brauchst“ von Susanne Niemeyer liegt auf meinem Schreibtisch. Es geht um sieben Dinge, die wir wirklich brauche: Freiheit, Heimat, Freunde, Liebe, Arbeit, Gerechtigkeit und Vertrauen. Dass wir in dieser besonderen Fastenzeit mit allen, teilweise sehr schmerzhaften Einschränkungen, die uns zu Recht auferlegt worden sind, uns gerade darauf besinnen müssen, hätten wir vor einigen Wochen nicht gedacht. In unserer Kirche nennen wir die Wochen vor Ostern auch „Vierzigtagezeit“. In dieser Krisensituation wurde mir bewusst, dass der Begriff „Quarantäne“ im Ursprung eine vierzigtägige Isolierung meint. Quadraginta (lateinisch) heißt 40; quarantaine de jours (französisch) meint 40 Tage. So stehen wir alle irgendwie in einer Quarantäne, eine Zeit, die wir nur gemeinsam auf Abstand bestehen können. Wie bei einer Vollbremsung ist unser sonst so aktives Leben fast zum Stillstand gekommen. Eine Rolle Klopapier ist zu einem Symbol dieser gesellschaftlichen Quarantäne geworden. Vielleicht der Wunsch, doch nach was in der Hand zu haben. Ein Symbol für das, was wir wirklich brauchen? Darauf sollten wir nicht unsere Gemeinschaft reduzieren. Ich erkenne in diesen Tagen immer mehr die Siebensachen, die wir wirklich brauchen: die Freiheit, auch wenn sie eingeschränkt ist, das zu tun, was mir Freude macht; einen Ort zu haben, an dem ich daheim bin, Heimat; Freundinnen und Freunde mit denen ich telefonieren kann so oft und so lange ich möchte; die Liebe, die uns geschenkt ist und die wir einander schenken in kleinen Zeichen; die Arbeit, bei der sich viele in dieser Zeit aufopfern für ihre Mitmenschen; die Gerechtigkeit, die den Menschen gegeben werden muss, die jetzt oder später die Folgen dieser Pandemie zu tragen haben und letztlich das Vertrauen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre fundierten Erkenntnisse so weitergeben, dass die Politik dadurch die richtigen Entscheidungen trifft. Wenn wir so unsere Siebensachen packen sind wir auch in dieser Zeit auf einem guten Weg. 

    Ralf Staymann, Pfarrer
     

  • 26. März

    „schweigen und meditieren“

    Indem ich in andächtiger Stille, meditativ, ganz bewusst auf Worte und Handlungen verzichte, ahne ich (manchmal) etwas von der Größe und Weite Gottes, die alle menschlichen Begrifflichkeiten übersteigt. Ich spüre etwas von der wohltuenden Freiheit, Gott nicht mit Adjektiven festschreiben zu müssen. Das verbindet mich „unsagbar“.

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 25. März

    Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. (Lk 1,26)

    Ein Bote Gottes! Was soll ein einfaches Mädchen in Israel angesichts dieser Ehre tun?  Kein Wunder, dass diese Szene in der Kunst meist so dargestellt wird, das Maria in Frömmigkeit erstarrt dieses Ereignis an sich geschehen lässt. Was soll ein kleiner Mensch sonst tun?

    Ganz anders und mir sehr viel sympathischer sind zwei Statuen, auf die ich vor einigen Jahren in Nazareth stieß. Seitdem besuche ich immer, wenn ich dort bin, diese Figuren. 

    Maria und Gabriel scheinen einen Spaziergang zu machen. 

    Maria hat die Hände vor der Brust gekreuzt. Ihre rechte Hand liegt auf ihrem Herzen, die Linke quer über der Brust, so, als wolle sie die andere fixieren. Wenn ich diese Pose nachahme, dann merke ich, dass sie mir das Gefühl vermittelt, ganz bei mir zu sein.

    Gabriel steht neben Maria. Ganz schlicht. Wären das nicht die angedeuteten Flügel, man würde ihn nicht in göttliche Sphären einordnen. Seine rechte Seite ist Maria zugewandt, sein linker Arm zeigt gen Himmel. Er stellt die Verbindung zwischen Gott und Mensch her.

    Gabriel und Maria schauen einander in die Augen. Zwei, die miteinander unterwegs sind. Die Frage: Wie soll das geschehen…? (Lk 1,34a) ist Maria ins Gesicht geschrieben. Sie sucht nach Spuren Gottes in ihrem Leben.

    Das Gesicht Gabriels wirkt mehr erklärend, erläuternd als verkündigend. Er begleitet Maria, nimmt ihre Fragen auf und gibt Hinweise auf das Wirken Gottes. Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. (Lk 1,35a) Und die Antwort wird im Gehen kommen.

    Wenn wir heute das Fest der Verkündigung des Herrn feiern, dann tun wir das in einer besonderen Zeit. Gerade sind die Osterfeierlichkeiten abgesagt. Alle sind mehr oder weniger isoliert für sich. Und wir legen mit diesem Fest den ersten Stein auf den Weg zu Weihnachten hin. Vieles geht mir in diesen Tagen durch den Kopf. Wie geht es weiter im Kampf gegen das Corona-Virus. Was kommt als nächstes? Wird all dies helfen, irgendwann einmal wieder „normal“ leben zu können?

    Da hilft mir dieses Bild. Es lädt mich ein, genau wie Maria mit Gott ins Gespräch zu kommen. Meinen Weg mit ihm zu teilen. Mit allem, was mir begegnet: Angst. Hoffnung, Freude. Und darauf zu hoffen, dass er mir, wie Gabriel das bei Maria tat, Fingerzeige Gottes schenkt, die mir helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

    Dazu lade ich auch Sie ein am heutigen Fest. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Wegbegleitung erfahren. Und dass Sie gesund bleiben. Und Ihre Familien, Nachbarn und Freunde auch!

    Michael Frevel, Pfarrer 

  • 24. März

    „Störungen haben Vorrang"

    Es gibt eine hilfreiche Regel für den Umgang mit Gruppen und Teams, die besagt: „Störungen haben Vorrang“. Natürlich wird niemand von uns gerne gestört. Und zurzeit wünschen wir uns händeringend wieder mehr Normalität, als dauernd weitere "Störungen". Aber manchmal sind es genau die unvorhergesehenen Unterbrechungen mitten im Alltag, die mir die Augen öffnen, mich zum Umdenken auffordern und mich sensibel machen für das, was wirklich wichtig ist.

    Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin

  • 23. März

    in zeiten der quarantäne

    das leben klingt herüber

    ich bin ihm auf der spur

    lebendigkeit und freiheit

    das leben klingt herüber

    lädt mich ein

    zu sein

    das leben klingt herüber

    ich bin ihm auf der spur

     

    Christiane Schall, Pastoralreferentin

  • 21. März

    So viel „Fastenzeit“ gab’s lange nicht

    Es ist lange her, da galt für praktizierende Katholiken die Fastenzeit, also die Zeit der 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern, als eine „geschlossene Zeit“! Feierliche Hochzeiten, Feste, Tanzveranstaltungen und andere öffentliche Vergnügungen, waren untersagt. Es sollte eine Zeit der Unterbrechung sein, um nachzuspüren, was wichtig ist für das Leben und für den Glauben und was überflüssig ist oder vom Wesentlichen nur ablenkt. 
    Dazu kam der Verzicht auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten, als praktizierte Solidarität mit Menschen in Armut und als konkrete Nachfolge Christi auf seinem Weg zum Kreuz, die sich dann auch in einem finanziellen Opfer, für die Menschen in Not, zeigen sollte.
    Lange davor hatte die Bibel im 24. Psalm erklärt, Gott belohne denjenigen, der reine Hände hat und ein lauteres Herz. Und im Matthäus-Evangelium ermuntert Jesus, Fastenzeiten positiv zu gestalten: "Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler", heißt es dort. "Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht." 

    In neuerer Zeit wurden dann, von wachsamen Menschen, neue Trends entwickelt: Heilfasten für die Gesundheit, Auto- und Plastik-Fasten für die Umwelt, Fernseh- und Handy-Fasten für eine menschlichere Kommunikation. 

    In diesem Jahr aber, führt die vom Corona-Virus - Covid-19 – ausgelöste Pandemie, zu einer so weitreichenden Fastenzeit, dass ich mir staunend die Augen reibe. 
    Die inzwischen von vielen Regierungen verfügten Vorschriften verordnen nicht nur umfangreiche Hygienemaßnahmen und „geschlossene Zeiten“, vielmehr geschlossene Buchmessen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen, Gottesdienste, Bars und Diskotheken, ja sogar abgeriegelte Regionen und ganze Staaten. Covid-19 führt vom Konzertfasten, über das Fußballfasten, bis zum Reisefasten.

    Da ruft mir jemand, – natürlich mit gebührendem Abstand -, im Parkhaus zu: wissen sie, wofür das alles gut ist? Wir entschleunigen so wohltuend!
    Und ich ergänze still für mich, dass ich beginne, wieder zu unterscheiden, zwischen dem, was wirklich wesentlich ist und andererseits oft ziemlich unnützer Ballast, dass ich anfange zu spüren, was die Solidarität mit Armen fordert und mit denen, die jetzt Hilfe brauchen und dass ich entdecke, wie sinnvoll religiöses Brauchtum gewesen ist, das nicht selten hochmütig belächelt wurde.

    Stephan Wolff, Pfarrer