Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Impuls für die Woche

28.11.21

Wir sagen Euch an den lieben Advent …

Jedes Jahr die gleiche Diskussion. Kann ich dieses Adventlied in der Kirche singen, auch außerhalb von Kindergottesdiensten? Darf ich am zweiten Adventsonntag auch noch die erste Strophe singen und am dritten Advent auch noch die zweite Strophe?  Meine Antwort darauf ist: Ja ich kann es.

Dieses kindlich anmutende Adventlied kennen nicht wenige von uns aus ihren Kindertagen. Für Messdiener*innen gehört es neben Gabenbereitung und Kollektensammlung zum obligatorischen Dienst in der Adventszeit, die entsprechende(n) Kerze(n) am Adventkranz zu entzünden. Dieses einfache und jährlich wiederkehrende Ritual führt uns vor Augen, dass mit jeder weiteren angezündeten Kerze der Raum der Kirche immer heller wird, bis dann am Heiligen Abend die vier brennenden Kerzen durch eine einzige brennende Kerze abgelöst werden. Das Friedenslicht aus der Geburtskirche in Bethlehem ist schlechthin das alles überstrahlende Zeichen der Geburt Jesu. Mit dem Entzünden und Weitergeben des Friedenslichtes erinnern wir uns an die weihnachtliche Botschaft und an unseren Auftrag, den Frieden unter den Menschen zu verwirklichen. „Wir sagen euch an den lieben Advent.Sehet, die erste Kerze brennt! Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herrn den Weg bereit! Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr. Schon ist nahe der Herr.“  Es lohnt sich, jeden Adventsonntag von neuem mit dem Entzünden der ersten Adventskerze zu beginnen, denn jede Strophe trägt Ihren eigenen kleinen Wunsch in sich.  Wir Menschen haben es in der Hand, die Welt ein wenig friedliebender zu machen. Es ist gut, dass wir auf die ein oder andere Weise daran erinnert werden.


Roman Fries, Pfarrer

19.11.21

Wer hat ihn nicht, den Novemberblues? Wir Menschen sind anscheinend Lebewesen, die das Helle und Freundliche brauchen wie Pflanzen, die dem Sonnenlicht entgegenwachsen. Unguterweise fallen viele dunkle Gedenktage auch noch in den grauen November: z.B. die Erinnerung an die Reichspogromnacht und an die Gefallenen beider Weltkriege. An ganz trüben Tagen kann dann die Stimmung in den Keller fallen, kann die Motivation total absinken. Was tun? Kerzchen anzünden, gemütliche Stimmung erzeugen, Teechen trinken? Wenn es so einfach wäre! Am Trübsinn ist weniger der November schuld, sondern ein Leiden, das tiefer reicht. Ein Leiden an uns selbst, das wir in der Geschäftigkeit des Alltags gern überspielen und nicht an uns herankommen lassen, das aber trotzdem traurig stimmt. Wir ahnen, wie schwer die Folgen falscher Entscheidungen wiegen, wir durchschauen unsere Bequemlichkeit und Untätigkeit. Sehr genau wissen wir, welche Wege neu beschritten werden müssten – allein, es fehlt die Kraft dazu. Oder wir sind der Auseinandersetzungen müde. Dann muss ein Nebeltag herhalten, um uns vor uns selbst zu entlasten. Noch einmal: Was tun? Sich selbst kritisch in den Blick nehmen. Üben, es mit sich selbst und seinen begrenzten Möglichkeiten auszuhalten. Diese Möglichkeiten ein bisschen dehnen, am besten gemeinsam mit anderen. Freundlich sein, denn mit der Freundlichkeit kommen Kräfte zurück. Den Humor bewahren, er hilft, dem ehrlichen Blick standzuhalten und die Wahrheit über uns selbst zu ertragen. Und er baut Brücken, wo vorher keine waren. Das alles nennt die jüdisch-christliche Tradition beten. Das geht alles ohne vorzeitige Lichterketten, mitten im grauen November.

Jutta Lehnert