Fachkonferenz Frauen

Die Fachkonferenz will

  • Initiativen im Bereich Frauenarbeit (kfd, SKF, SOLWODI, Gleichstellungsstelle der Stadt Koblenz, Frauennotruf, Frauenorden ...) vernetzen
  • jährliche Veranstaltungen zum Tag der Gewalt gegen Frauen am 25. November durchführen
  • Projekt: Veranstaltung zum "Internationalen Tag der Frauen" am 8. März
  • Absprachen von Aktivitäten im Bereich "Frauenpastoral"

KarTage der Frauen in Hadamar und Kloster Arnstein

Die KarTage der Frauen des Dekanates Koblenz haben schon Tradition: In jedem Jahr finden sie an einem anderen historischen Ort von Leiden und Schrecken statt. Nach Ravensbrück und Verdun waren 14 Frauen in diesem Jahr in der Gedenkstätte der ehemaligen Landesheilanstalt Hadamar, in der zwischen 1941 und 1945 15.000 Menschen Opfer der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen wurden.

Die Psychiatrie, von vielen Familien eine dringende Hilfe für ihre Angehörigen, wurde benutzt, um durch Massenmorde und Zwangssterilisationen den sog. „gesunden Volkskörper“ rein zu halten. Das zugrunde liegende Gedankengut war allerdings keine nationalsozialistische Erfindung. Die „Gefahr einer Degeneration der Bevölkerung durch minderwertiges Erbgut“ wurde schon Anfang des 20. Jhdts. in den Humanwissenschaften in ganz Europa beschworen. Allerdings schüchterte erst die aggressive Propaganda und die gesetzlich geregelte Aussonderung sog. „lebensunwerten Lebens“ ab 1933 Bevölkerung und betroffene Familien ein; Kritik und Nachfragen wurden unterdrückt. Die unheimlichen „grauen Busse“ transportierten mit verhängten Fenstern die Menschen in die Garage, die in Hadamar noch steht. Von dort wurden sie direkt in die Gaskammer im Keller geführt. Ihre Familien erhielten vorformulierte Briefe mit erfundenen Todesursachen; Bitten um Besuche und Nachfragen wurden vereitelt. Über die verbliebene Asche ist bis heute nichts bekannt; oberhalb der ehemaligen Heilanstalt liegt ein Feld mit Massengräbern.

Hier betete die Frauengruppe aus Koblenz am KarFreitag ihren Kreuzweg in Erinnerung an vergangene und aktuelle Gewalt und legte Rosen nieder. Die Bildungsreferentin der Gedenkstätte, Regine Gabriel, ging in einem zweiten Teil auf die Vorgeschichte der Heilanstalt ein: Seit 1906 waren in Hadamar vor allem Frauen untergebracht, die als gesellschaftlich „störend“ empfunden wurden und das Stigma „Psychopathin“ erhielten. Dazu zählten auch Künstlerinnen. Die Teilnehmerinnen setzten sich mit einigen Biografien und kreativ mit ihren Bildern auseinander. Gemalte oder gestickte Bilder waren oft der einzige Fluchtpunkt in einem perspektivlosen Schicksal.

Das wurde am Abend ergänzt durch eine Performance der beiden Künstler Lydia Koch (Köln) und Stefan Löhr (Vallendar), die nahebrachten, wie künstlerischer Ausdruck der eigenen Befreiung dienen kann.

Eine Bibelarbeit zur Auferweckung der Jüngerin Thabita aus der Apostelinnegeschichte leitete über zum Thema „Auferstehung“ und diente der Vorbereitung der Osternacht. Das Jugendgästehaus des Klosters Arnstein war an jedem Abend nach der Zeit in Hadamar ein willkommener Rückzugsort für die Gruppe, die dort ihre Tischgottesdienste und die Osternacht feierte.

Im Letzten unerklärlich blieb die mögliche Verrohung von Menschen, ihre Fähigkeit, durch ideologische Verblendung kaltblütig zu werden. Daraus ergab sich für die Teilnehmerinnen die aktuelle Frage, wo denn heute die Bewährungsproben des Mitmenschlichen liegen.

Im kommenden Jahr finden die KarTage der Frauen voraussichtlich in Berlin statt und erinnern im 100. Jahr des Frauenwahlrechts in Deutschland an die Leiden der Frauen, die diesen wichtigen Schritt der Emanzipation erkämpft haben. 

Jutta Lehnert, Pastoralreferentin

Feministische Re-Lektüre - Die Bibel mit neuen Augen lesen

Ein Bibel-Lese-Kreis für Frauen

So wie ein textiler Stoff aus ganz verschiedenen Fäden gewebt ist, so wird auch ein literarischer Text von verschiedenen Erzählfäden durchzogen. In der Lektüre  biblischer Texte ist dabei im Laufe der patriarchalen Auslegungsgeschichte meistens der „weibliche Faden“ übersehen oder verdrängt worden – darum soll er in dieser Runde hervorgehoben werden.

Termine finden Sie im Kalender auf der Startseite

Leitung: Jutta Lehnert, Pastoralreferentin

  

Text und Textil

haben im Lateinischen die gleiche sprachliche Wurzel, was auf die Ähnlichkeit in ihrer Grundstruktur verweist:

So lässt sich ein Text als Gewebe aus unterschiedlichen Kett- und Musterfäden verstehen, wie es am Webstuhl entsteht. In der Antike war das die bevorzugte Art, Stoffe herzustellen:

Tragende Kettfäden wurden als Basis in den Webstuhl eingezogen und aufgerollt, die Schussfäden wurden mit dem Weberschiffchen eingewoben und dann mit dem Kamm gestaut. Das fertige Textilstück wurde einfach abgeschnitten und vernäht. Die Kettfäden wurden wieder neu gespannt; der Webvorgang konnte wieder beginnen. Mit Hilfe unterschiedlich gefärbter Schussfäden konnten feiner Muster im textilen Stück entstehen, die bestimmte Farben stärker oder schwächer hervortreten ließen.

Dieser Webvorgang lässt sich für die Analyse eines Textes anwenden:

Bestimmt Erzählfäden treten in den Vordergrund, andere klingen leise an, wieder andere sind nahezu unhörbar. Welche Erzählfäden die Handlungsstränge tragen, welches der „rote Faden“ ist, welche Muster sich verändern, welche Erzählfäden leicht übersehen werden - das herauszufinden ist die spannende Aufgabe der aufmerksamen Lektüre. Die gelingt am ehesten in einer Gruppe, in der unterschiedliche Hörgewohnheiten zusammenkommen.

Dem Text wird man am besten gerecht, wenn man wach bleibt für die Tatsache, dass jeder Text im Zusammenhang seines Kontextes steht oder Produkt seines Kontextes ist: Welche Stimme im Text besonders zu hören sein soll, welche Stimmen übertönt werden, welche Handlungsfäden sich im Muster verändern – das alles hat mit den Einstellungen und Entscheidungen zu tun, die der Autor/die Autorin/die Autorengruppe getroffen haben. Aus diesem Grund finden sich in der Bibel Texte, die im Widerspruch zueinander stehen: Texte sind eben auch Kampfplätze, an denen über die Deutung der Wahrnehmung gestritten wird. Uns Leserinnen und Leser ist aufgetragen, dem Streit nachzugehen und eine idealistische und individualistische Übernahme des Textes zu vermeiden.

So entsteht ein Stoff, der es bis heute in sich hat!