08. Dezember 2017

"Anderer Advent

Jedes Jahr vor Weihnachten frage ich mich, was ich oder wir an Heiligabend in der Familie einmal „anders“ machen könnten.

Immer wieder kommt dabei die Idee auf: wir schenken uns einfach mal gar nichts. Und wir setzen uns einfach nur gemütlich zusammen und lesen einander etwas vor. Oder wir gehen ganz woanders hin. Oder wir verzichten auf den Weihnachtsbaum. Oder wir laden Leute zu uns ein, die noch nie an Heiligabend bei uns waren.

Ideen gibt es viele. Denn schließlich ist Weihnachten doch das Fest, wo durch die „Menschwerdung Gottes“ mit der Menschheit etwas ganz Neues passiert!

Aber so einfach finde ich das gar nicht, wirklich etwas „anders“ zu machen. Weihnachten lebt schließlich, stärker als andere Feste, von den wiederkehrenden Ritualen, mit denen viele Erinnerungen, Gefühle und Stimmungen verbunden sind.

Und so werden aus großen Veränderungs-Ideen manchmal nur kleine Variationen des Bisherigen. Da ändern wir zuhause dann mal die Frage, wer sich um das Essen kümmert oder in welche Kirche wir zu welchem Zeitpunkt gehen.

Trotzdem bleibt in mir eine Sehnsucht, dass es bei alledem, dem Liebgewordenen und Vertrauten dieses Festes, bei den Abläufen, die Orientierung und Sicherheit geben, doch um etwas Anderes geht, das neu zu entdecken und zu gestalten ist.

Mich persönlich freut daher jedes Jahr wieder, im Kalender „Der Andere Advent“, vom 1. Advent bis Dreikönig, Geschichten und Bilder zu finden, die mich berühren und nachdenklich machen. Vor allen Dingen, wenn ich sie nicht allein im stillen Kämmerlein betrachte. Es tut mir einfach gut, sie gemeinsam mit anderen in der Citykirche, immer wieder anders musikalisch gestaltet, erleben zu können.

Vielleicht sind es also diese kleinen „anderen“ Momente, die mich verändern und bewegen werden: in dieser Adventszeit und darüber hinaus.

Monika Kilian, Pastorale Mitarbeiterin